22. August 2018 | Galerie, Retail Marketing, Shopping Today

Retail im Kleinen mit ganz großem Herz

 Am 25.08.2018 war es soweit, da feierten die Düsseldorfer wieder ihre einzigartige Büdchenkultur. Unter dem Titel „3. Düsseldorfer Büdchentag“ gab es den ganzen Tag ein kulturelles Programm in den teilnehmenden Büdchen – von Theaterperformances, Lesungen, Kunst, Poetry Slam, Djs, Bands bis Bingo.

Das „Büdchen“ das ist in Düsseldorf eine echte Institution. Anderorts heißen sie Kiosk, Wasserhäuschen, Trinkhalle, Budike oder Spätverkauf, aber im Rheinland und speziell in Düsseldorf hat man ein ganz besonderes Verhältnis zu dieser Form des Kleinhandels. Fast jedes Viertel hat „sein“ Büdchen. Oftmals wird dieses zum Retter in der Not, egal, ob man morgens ein belegtes Brötchen mit Kaffee und Tageszeitung holt, nur ein Feierabend Bier trinken will oder ein Busticket braucht, die Milch für den Kuchenteig am Sonntag vergessen hat oder verschiedenste Snacks und Getränke für eine spontan stattfindende Party am Samstagabend benötigt. Das Büdchen ist immer da und hat fast immer geöffnet, denn als “kleinste gastronomische Einheit” dürfen Büdchen ohne Sondergenehmigung auch an Sonntagen öffnen, nur von 5 bis 6 Uhr morgens gilt eine Sperrstunde.

 

So geht Kundenbindung!

Die ersten Büdchen gab es bereits Mitte des 19 Jahrhunderts in Düsseldorf, heute sind es 650. Vielleicht ist es das Erlebnis aus der Kindheit, sich für ein, zwei Euro eine gemischte Tüte mit allerlei Zuckerzeug am Büdchen zusammenstellen zu dürfen, die die Liebe zum Büdchen schon früh prägt. Die wichtigste Rolle, die dem Büdchen zu kommt ist aber nach wie vor die des Kommunikationszentrums, des Seelsorgers, des Nachbarschaftstreffs. Hier zählt der persönliche Kontakt. Oftmals lebt man anonym im Mehrfamilienhaus und lernt erst am Büdchen seine direkte Nachbarschaft wirklich kennen. Hier trifft man sich regelmäßig und tauscht die Neuigkeiten aus seinem Viertel aus oder philosophiert über Politik – mal hitzig, mal witzig, aber immer auf Augenhöhe, das schweißt zusammen. Der Betreiber wird zum Vertrauten, zum Freund. Das Büdchen scheint wie ein Relikt aus ferner Vergangenheit, das aber prima funktioniert und einen wohltuenden Kontrast zu unserer sonst so digitalen, schnelllebigen Welt setzt. Hier zählt der Mensch, jeder einzelne.

Auch auf der anderen Rheinseite in Köln hat die Büdchenkultur Tradition.

Das bekannteste Büdchen in Düsseldorf…

…ist wohl das „Fortuna Büdchen“ am Joseph-Beys-Ufer und somit direkt am Rhein. Hier bilden sich im Sommer schon mal ganze Menschentrauben, einfach, weil es so schön ist hier zusammenzukommen, zu klönen und Leute zu beobachten, die am Rhein entlang flanieren. Seinen Namen hat das „Fortuna Büdchen“ natürlich vom hiesigen Fußballverein. Zum Stadion ist es von hier aus nicht weit. An den Spieltagen treffen sich hier regelmäßig die Fans, um sich mit Bockwurst, Frikadelle und Bierchen in Stimmung zu bringen, bevor sie im Pulk ins Stadion ziehen. Einen regelrechten Aufstand gab es, als das Fortuna Büdchen 2014 fast den Stadtplanern bei der Erweiterung der Rheinuferpromenade zum Opfer gefallen wäre. Innerhalb einer Woche kamen 1900 Unterschriften bei einer Online-Petition zusammen, das Fortuna Büdchen wurde gerettet.

Klar, dass die „Fan Bud am Rhin“, also das Fortuna Büdchen, auch beim dritten Düsseldorfer Büdchentag mit am Start war. Unter dem Motto „Fortuna! Can´t get enough of that funky stuff” legten dort die DJ´s  Kalle „Mr. Q“, Jörn Beatka und Martin Schneider auf. Übrigens absolvierte genau an diesem Tag die Fortuna auch ihr erstes Heimspiel nach dem Aufstieg in die erste Bundesliga. Es lebe die Fortuna! Es lebe die Büdchenkultur!

Nähere Infos zum Düsseldorfer Büdchentag unter: www.duesseldorfer-buedchentag.de.

 

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