14. Dezember 2018 | Galerie, Shop Fitting & Store Design, Shopping Today

Storekonzepte in Berlin – Fashion, Design, Experience und Einkaufserlebnis

Brand Experience bei New Era, kanalübergreifendes Einkaufserlebnis bei Intersport und Produkt- und Prozess-Transparenz bei Hund-Hund. Das EuroShop.mag stellt neue Storekonzepte aus Berlin vor.

Touchpoint für Kappen

Seit 10 Jahren gibt es den Flagshipstore von New Era in Berlin. Jetzt richtet das Headwear-Label den Blick auf die Zukunft – mit neuen Räumlichkeiten inklusive neuem Interior Design.

Der Fokus des Stores liegt auf der „Brand Experience“: Seit 1920 auf dem Markt, gehört das Kappen-Label, das inzwischen auch Bekleidung herstellt, mit über 500 Lizenzen im Portfolio und über 80 Abnehmer-Märkten im Sport-und Streetstyle-Markt zu den großen Playern. Diese Positionierung sollte im Store zum Ausdruck gebracht werden.

Und so trifft hier ein minimalistischer Einrichtungsstil aus unbearbeiteten Betonflächen auf großflächige visuelle Installationen. Neuester Content von Kampagnen und Produkt-Launches wird direkt auf die nackten Backsteinwände des Shops projiziert. Eine dreidimensionale Installation davor zeigt Sondereditionen und Produkt-Specials, die hier häufig wechseln und immer wieder für neue Anreize sorgen sollen.

Eine Reihe integrierter digitaler Screens gehört ebenfalls zum Programm, um die permanente Interaktion mit dem „digitalen Kunden“ sicherzustellen. An einer Customization Bar können Kunden ihre Kappen mit individuellen Details aufpeppen und individualisieren, ebenfalls immer mit der Idee und Absicht, die Kunden mit der Marke in Austausch zu bringen. Der lokale Postcode als Neonschriftzug an einer Wand soll einen „Link zur realen Welt“ symbolisieren.

Das Store-Konzept entstand in Zusammenarbeit des Europa-Teams von New Era mit der britischen Design-Agentur Checkland Kindleysides.

Autor: Konny Scholz
Erstveröffentlichung auf www.stores-shops.de
Fotos: Messe Düsseldorf

 

Hund Hund: Transparenz zum Anfassen

Radikale Produkt- und Prozess-Transparenz hat sich das Berliner Fashion-Label Hund-Hund zur Aufgabe gemacht. Das Prinzip wurde auf den ersten Store übertragen, der demzufolge Einblicke in den „Bauch“ des Unternehmens eröffnet.

Hund-Hund, ein Fashion-Label aus Berlin, startete vor rund zwei Jahren als Online-Konzept und erlangte schnell einen gewissen Bekanntheitsgrad nicht nur des Namens und des minimalistischen Designs, sondern vor allem des Konzepts wegen: Das dahinterstehende Designer-Duo setzt auf völlige Preistransparenz, um das Bewusstsein für die Wertschöpfung von Mode und aller genutzten Ressourcen zu schärfen. Vom Design übers Material und die Produktion bis zu Transport und Marketing wird die Kostenstruktur jedes einzelnen Produkts im Online-Shop aufgeschlüsselt. Diese Transparenz wurde auf einen stationären Standort umgelegt, der Studio und Store in einem ist.

Hier soll ein Blick hinter die Kulissen auf den Designprozess parallel zum Einkaufserlebnis erfahrbar gemacht werden, die Store-Fläche schließt unmittelbar an die Fläche der kreativen Arbeit des Unternehmens an. Die großzügige Ladenfläche ermöglicht außerdem regelmäßige Workshops rund um einen nachhaltigen Lifestyle, bei dem Experten aus den Bereichen Fashion, Food und Interior Design zum Austausch mit Kunden eingeladen werden.

Nachhaltigkeit, Ästhetik, Innovation
Das räumliche Konzept bezieht sich auf den Standort, den das Unternehmen als ideale Adresse bezeichnet: Das Atelierhaus Lobe-Block in Berlin-Wedding, ein Neubau von Architekt Arno Brandlhuber, bringt Nachhaltigkeit, puristische Ästhetik und Innovation zusammen: Geothermale Heizkonzepte, Wasserrecycling und Isolation mit natürlichen Materialien senken den Energieverbrauch und machen den Standort „zum architektonischen Äquivalent zur Mode-Maxime von Hund-Hund“. Akzente zum Beton setzen Holzwände und massive Holztische. Das Raumdesign entstand in Zusammenarbeit mit Interior-Designerin Dea Kaker, Designer und Tischler Jonas Maria Droste, Michel Gutzeit und dem Und-Studio. Michael Jurisch entwarf und baute die Leuchten, die sich dynamisch dem Tageslicht anpassen.

Autor: Konny Scholz
Fotos: Magnus Petterson
Erstveröffentlichung auf www.stores-shops.de

 

Intersport wird Blau und Rot

Mit drei „Future Stores“ in Berlin und Potsdam startet Intersport Deutschland ihr neues Storekonzept. Dies sieht vor, die Händler der Verbundgruppe einem von zwei neu eingeführten Betriebstypen zuzuordnen. Ziel beider Betriebstypen ist es, Konsumenten zukünftig ein kanalübergreifendes Einkaufserlebnis zu bieten.
Das neue Storekonzept teilt die Händler der Verbundgruppe in die so genannte „blaue Welt“ und „rote Welt“. Die stationären Geschäfte der „blauen Welt“ orientieren sich an Systembausteinen. Händlern dieses Betriebstyps gibt Intersport ein neues, modernisiertes Storekonzept mit bestimmten Elementen vor. Händlern der „roten Welt“ sind Freiheiten bei der Gestaltung ihrer Läden gegeben. Sie können sich einzelne Elemente des neuen Konzepts flexibel und auf ihre Geschäfte angepasst einrichten lassen. Erklärtes Ziel der Intersport Deutschland ist es, den Kunden zukünftig stärker in den Mittelpunkt zu rücken und somit Services und Beratung zu optimieren. Von einer klaren Sortimentsstruktur und dem Einsatz digitaler Technologien verspricht sich das Unternehmen, ein kanalübergreifendes Einkaufserlebnis zu erschaffen.

Intersport Voswinkel repräsentiert mit ihren drei komplett umgebauten Filialen in den Berliner Einkaufszentren Alexa und „Hallen am Borsigturm“ in Tegel sowie dem Potsdamer „Stern-Center“ die blaue Welt. Dort testet Intersport Deutschland gleichzeitig ein neues System der permanenten Warenverfügbarkeit für den Kunden. Die Sortimente dieser Voswinkel-Geschäfte sind über eine sogenannte „Warendrehscheibe“ direkt mit Intersport Olympia in Berlin verknüpft. So soll dem Kunden immer ein gewünschter Artikel verfügbar sein, auch wenn er vor Ort einmal nicht vorrätig sein sollte.

Highlights der drei Pilotstores von Voswinkel sind die am POS integrierten digitalen Elemente. Im Eingangsbereich empfängt der so genannte „Action Place“ die Kunden. Dabei handelt es sich um einen mit einer Holzkonstruktion eingefassten Bereich, der auf digitalen Screens und Wareninseln im zweiwöchigen Wechsel neue Trendthemen/Kampagnen und Fremdmarken inszeniert. Diese aktualitätsbezogenen Kampagnen sind Teil des „360-Grad-Marketing-Konzept“ und finden sich auch im Onlineshop wieder.

Digitale Elemente als Spaßelement

Weitere digitale Highlights im Store sind das „Experience Center“ mit einer 3D-Laufbandanalyse und eine Beflockungsmaschine, die ein haptisches Erlebnis erzeugen soll. Kunden können sich hier innerhalb von rund 20 Minuten ihre Kleidung individuell bedrucken lassen. Der Einsatz von Virtual Reality (VR)-Technologie soll Kunden zur Interaktion animieren. Darüber hinaus gibt es in jeder Sortimentskategorie einen Touchscreen, an dem sich Kunden durch das komplette Sortiment scrollen und via Artikel-Scan Informationen zu einzelnen Produkten einholen können. Bei den Damen- und Herrenumkleiden ist jeweils ein „Magic Mirror“ installiert, über den Kunden auch Personal zur Beratung „herbeirufen“ können. Über mobile Tablets scannen Mitarbeiter Kundenkarten ein und können so Konsumenten gezielt beraten oder bereits erstandene Artikel nachbestellen.

Das neue Store-Konzept spiegelt sich auch im Storedesign wider. Es wirkt aufgeräumt und klar strukturiert. Einzelne Kategorien werden vor Rückwenden in Lamellenoptik gezielt hervorgehoben. Die Bildsprache im gesamten Store wurde modernisiert und inszeniert die jeweilige Sportart. So zeigt Intersport in der „Outdoor“-Abteilung großformatige Fotos von Gebirgen. Blaue Neonröhren an den Rückwänden und Bilder von vereisten Bergen sorgen für eine winterliche Atmosphäre beim Skisport-Sortiment. Auch die im Zentrum des Stores positionierte Kassenzone wird mit einer Rückwand aus hellem Holz, einem von den Abteilungen abgrenzenden Bodenbelag in Holzoptik und einem Deckensegel in Form eines Rondells zum Blickfang.
Das neue Shop-Konzept entwickelte Intersport Deutschland in Zusammenarbeit mit der Intersport International Corp. Für das Storedesign zeichnet die Schwitzke Unternehmensgruppe verantwortlich.

Autor: Katharina Sieweke
Erstveröffentlichung auf www.stores-shops.de
Fotos: Messe Düsseldorf

Tags: Design, Einkaufserlebnis, Einzelhandel, Ladengestaltung

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