13. Februar 2019 | Retail Technology

Datenanalyse im Handel: Wann übernimmt die Künstliche Intelligenz?

Lernfähige Unternehmensanwendungen, die mittels Künstlicher Intelligenz (KI) immer besser und schneller gewaltige Datenmengen auswerten und interpretieren können, gelten als Megatrend. In nahezu sämtlichen Branchen könnten sie schon bald die nächste Stufe der Digitalisierung einläuten. Die EuroCIS 2019 bietet eine gute Gelegenheit zur Bestandsaufnahme aktueller Einsatzmöglichkeiten im Handel.

Für Angelika Huber-Straßer gibt es keinen Zweifel: „Die nächste große technologische Revolution wird durch den Einsatz künstlicher Intelligenz bestimmt”, sagt die Leiterin des Bereichs Corporates bei KPMG Deutschland. In der aktuellen Analyse „Wertschöpfung neu gedacht“ kommt die Beratungs- und Prüfungsgesellschaft gemeinsam mit den Trendforschern von Trend One zu dem Ergebnis, dass KI und humanoide (menschenähnliche) Maschinen Wirtschaft, Arbeitswelt und Gesellschaft bereits in den kommenden 20 Jahren grundlegend verändern werden.

KI definieren die Berater dabei als Sammelbegriff für Techniken, mit deren Hilfe Computer Aufgaben erledigen, für die Menschen Intelligenz benötigen. Diese Definition beinhaltet vier zentrale Aspekte: das Erfassen von Informationen und Daten über Formen, die den menschlichen Sinneswahrnehmungen ähneln, das Verstehen und die sinnvolle Verarbeitung dieser Informationen und Daten, die auf der Interpretation basierenden Handlungen oder Handlungsempfehlungen und nicht zuletzt, die Fähigkeit aus Erfahrung und Training immer weiter dazu zu lernen.

Insbesondere der letzte Punkt – das sogenannte Machine Learning – eröffnet laut KPMG nie dagewesene Perspektiven. Auch wenn das Thema KI selbst nicht neu sei, so ermögliche das exponentielle Wachstum bei Speicher- und Rechenkapazitäten einerseits, die steigende Verfügbarkeit und verbesserte Zugriffsmöglichkeiten auf immer größere Datenmenge andererseits, erst jetzt eine rasante Weiterentwicklung der Lernfähigkeit von Computerprogrammen. Softwarebasierte Analysen und Prognosen würden durch Erfahrung und Feedback immer treffsicherer. Menschliches Eingreifen könnte in vielen Fällen entbehrlich oder sogar kontraproduktiv werden.

KI-Markt wird sich verfünffachen

Entsprechend positiv fallen die Markteinschätzungen für das Umsatzpotenzial von KI-Unternehmensanwendungen aus. Nach Einschätzung des Bitkom steht der Weltmarkt für Anwendungen in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Cognitive Computing und Machine Learning vor dem Durchbruch. Bis zum Jahr 2020 soll das globale Marktvolumen für diesbezügliche Hardware, Software und Services auf 21,2 Mrd. Euro steigen – das wäre mehr als fünfmal so viel wie heute (rund 4,3 Mrd. Euro), lautet die Prognose des deutschen Digitalverbandes.

Durch intelligente Unternehmensanwendungen versprechen sich IT- und Businessentscheider Vorteile sowohl im Bereich Umsatzwachstum als auch bei Effizienz und Kostenersparnis. Insbesondere hoffen KI-Anwender darauf, mit intelligenter Software Wiederholungs- und Routineaufgaben zu automatisieren, neue, derzeit nicht zugängliche strategische Einsichten zu gewinnen, Wissensarbeit zu automatisieren und so teure Fachkräfte zu entlasten, die operativen Kosten durch effizientere Prozesse zu senken und neue Wege der Interaktion mit den Kunden zu erschließen. Hürden beim Einsatz von KI bestehen in vielen Unternehmen allerdings derzeit noch in unzureichender IT-Infrastruktur und fehlender Data Science-Expertise.

Retail Software wird intelligenter

Auch die Anbieter von Standardsoftware reagieren auf den Megatrend und integrieren KI und Machine Learning zunehmend als native Komponenten in ihre Produkte. So arbeitet SAP beispielsweise an unterschiedlichen Prognose- und Planungsmodulen, die auf KI basieren.

Künstliche Intelligenz aus der Cloud

Auch ohne SAP können Handelsunternehmen KI-Lösungen auf Basis von IBMs kognitiver Software Watson nutzen. Watson Commerce bietet dazu verschiedene Module zur Optimierung der Omnichannel-Strategie als SaaS-Lösung aus der Cloud. So hilft der lernfähige KI-Assistent beispielsweise, Probleme beim Online-Shopping aufzudecken, unterbreitet Kunden intelligente Produktempfehlungen, unterstützt das effiziente Bestands- und Auftragsmanagement über alle Kanäle oder automatisiert das passgenaue Management von Wort- und Bildinhalten.

Wachstumsmarkt Sprach- und Bilderkennung

Interessante Einsatzmöglichkeiten für KI ergeben sich auch in Form lernfähiger Softwareassistenten, die menschliche Sprache verstehen oder Bilder erkennen können. So hat beispielsweise Prudsys aktuell einen Visual-Search-Chatbot entwickelt: Anhand eines Produktfotos, dass der Kunde an den Online-Shop schickt, präsentiert er innerhalb von Sekunden Produktempfehlungen, die dem fotografierten Produkt ähnlichsehen. Dietrich Wettschereck, Leiter des Bereichs Künstliche Intelligenz beim Bonner Softwarehaus Tarent Solutions, sieht Potenzial für intelligente Bilderkennungssoftware beispielsweise auch im Bereich Self-Checkout. Anhand eines Fotos vom Einkaufswagen könnte die Software an der Kassenstation überprüfen, ob Kundenbon und Wageninhalt zusammenpassen und bei Ungereimtheiten einen Mitarbeiter hinzurufen.

Die EuroCIS 2019 bietet eine gute Gelegenheit, um sich in den Hallen 9 und 10 des Düsseldorfer Messegeländes einen aktuellen Überblick das Angebot an handelsrelevanten KI- und Machine-Learning-Angeboten zu verschaffen.

Tags: EuroCIS, EuroCIS 2019, Künstliche Intelligenz, Retail Technology

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