8. Mai 2019 | Interview, Retail Technology, What´s new in Retail

Händler, die eine Onlinepräsenz aufbauen, können ihre Reichweite vervielfachen – vor allem, wenn sie sich mehrsprachig aufstellen.

Die Eurotext AG unterstützt Händler als Sprach- und Übersetzungsdienstleister dabei. Im Gespräch mit Boris Zielonka erfahren wir, wo und wie Übersetzungen auf Basis künstlicher Intelligenz (KI) helfen, den Online-Shop auch international attraktiv zu machen.

Herr Zielonka, Kommunikation ist für den Einzelhandel essenziell, auch in Hinblick auf die Internationalisierung. Wo helfen Übersetzungsdienstleistungen hier besonders?

Boris Zielonka: Wenn es rein um die Skalierung des Geschäfts geht, ist natürlich die Übersetzung von Produkttexten wichtig. Wir haben auf der anderen Seite auch festgestellt, dass gute und hochwertige redaktionelle Inhalte, die ursprünglich nur in einer Sprache erstellt werden, auch für das internationale Geschäft sehr spannend sind. Das können zum Beispiel Ratgebertexte zu Produkten sein oder Texte, die zur Suchmaschinenoptimierung beitragen.

© iXtenso/Kuhlow

Inga Kuhlow, iXtenso, im Gespräch mit Boris Zielonka, Eurotext AG. © iXtenso/Kuhlow

Wie kann KI dabei helfen?

Zielonka: KI ist im Moment ein umfassend diskutiertes Thema, nicht nur im Handel, sondern in allen Bereichen. In der Übersetzung sind verschiedene KIs schon seit einigen Jahren bekannt, zum Beispiel Google Translate, Bing Translate oder DeepL. Die sind auch wesentlich besser als ihr Ruf, denn häufig werden richtige Stilblüten herausgesucht, wenn man zeigen will, was KI-Übersetzungen noch nicht können.

Speziell Händler können sich diese Technologien aber als zusätzliche Werkzeuge aneignen. Es sind keine Lösungen, die Übersetzungs- oder Internationalisierungsprobleme sofort in den Griff kriegen. Doch es sind Mittel, mit denen Händler sich Vorteile wie Geschwindigkeit oder Kostenreduktion erarbeiten können. Sie müssen sich allerdings bewusst machen, dass damit auch andere Aufgaben einhergehen: Eine KI muss gesteuert und trainiert werden und es muss im Vorfeld bewertet werden, wie sie sinnvoll einsetzbar ist.

Werden menschliche Übersetzer überflüssig?

Zielonka: KI wird in vielen Bereichen immer besser, aber es zeichnet sich auch ganz klar ab, bei welchen Textsorten sie wirklich eine Unterstützung ist und wo sie keine Chance hat, weil eine intellektuelle, kreative Transferleistung notwendig ist. Das kann eine Maschine in dem Moment, in dem Umfang noch nicht.

In einigen Bereichen, die die reine Übersetzung betreffen, werden Menschen wohl tatsächlich abgelöst werden. Das wären zum Beispiel technische Dokumentationen, die eine KI mit einer guten Terminologiedatenbank schon sehr gut übersetzen kann. Vespa oder Microsoft machen hier schon seit Jahren sehr viel mit KI. Die Arbeitsweise und die Anforderungen an den Übersetzer werden sich aber verschieben: Er muss wissen, wie eine KI tickt, wie er sie bewerten und steuern kann. Der menschliche Übersetzer muss beurteilen, ob sich die KI als Werkzeug für einen bestimmten Kunden oder ein Projekt eignet, damit sinnvolle Inhalte herauskommen. Oder auch, wie viel menschliche Nacharbeitung notwendig sein wird.

Welche Tipps würden Sie Einzelhändlern geben, um mit ihrer Übersetzung eine möglichst große Kundengruppe anzusprechen?

Zielonka: Am Anfang steht natürlich immer die Überlegung: In welche Sprache möchte ich überhaupt übersetzen? Händler sollten den ersten Blick deshalb immer auf ihre eigenen Daten werfen. Verkaufen sie schon regelmäßig in ein bestimmtes Land, also haben sie dort einen Kundenstamm und etablierte Produkte? Englisch ist natürlich auch immer eine gute Wahl, weil man so sehr viele Länder einfacher bedienen und Verkäufe generieren kann. Sie sollten dann nur nicht unterschätzen, dass damit auch mehr Arbeit aufkommt, zum Beispiel in Vermarktung oder Logistik.

Welche Kundenprojekte waren für Sie in letzter Zeit besonders spannend?

Zielonka: Wir arbeiten zurzeit in einem Projekt sehr stark mit der Kombination von KI- und Humanübersetzungen. Hier war es sehr spannend herauszufinden, für welche Texte und Textsorten und auch welche Sprachen KI tatsächlich gut funktioniert. Für uns war das Tolle an der Sache, wirklich im Shop zu identifizieren, wo wir das menschliche Know-how dringend brauchen. Die KI war tatsächlich sehr gut in unterstützenden Bereichen und Hilfe-Texten. Diese dienten dazu, den Kunden Kontext und Orientierung zu geben. Es waren keine Conversion-Killer, zum Beispiel dass im Zahlungsprozess komische Formulierungen auftauchen, die das Vertrauen schwinden lassen.

Gibt es noch etwas, das Sie Einzelhändlern zum Abschluss mitgeben wollen?

Zielonka: Zum Teil haben Händler, die vom stationären in den Online-Bereich gehen, sehr große Angst davor, dass sie abgemahnt werden könnten, weil sie irgendetwas in ihrem Shop nicht beachten. Ich sage dazu: Probiert’s einfach aus! Es gibt natürlich Stolpersteine, man muss sich an ein paar Sachen halten, aber man kann sich hier auch Hilfe holen. Es gibt Dienstleister, die mit den richtigen Texten Rechtskonformität herstellen. Wer als Händler in Deutschland rechtssicher agiert, kann sich von hier aus auch direkt internationalisieren.

Interview: Timo Roth
Erstveröffentlichtung auf iXtenso – Magazin für den Einzelhandel

Tags: Digitalisierung, E-Commerce, Künstliche Intelligenz

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