„Jedes fünfte Geschäft in NRW wird bis 2030 schließen“
25. Juni 2019 | News, Retail Marketing, What´s new in Retail

Strukturwandel, Verstädterung, Digitalisierung – welche Auswirkungen diese Entwicklungen auf die Handelslandschaft in Nordrhein-Westfalen haben, hat das IFH Köln im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen untersucht.

Das Ergebnis: NRW ist ein starker Handelsstandort, muss aber mit knapp 20.000 Geschäftsaufgaben rechnen. Handel und Politik sind gefordert, diesem Wandel aktiv zu begegnen.

Demografischer Wandel, Urbanisierung, neue Technologien und verändertes Konsumentenverhalten sowie neue Geschäftsmodelle werden die Handelslandschaft in Nordrhein-Westfalen in den kommenden Jahren tiefgreifend verändern. Wie genau diese Veränderungen aussehen werden, hat das IFH Köln in der Studie „Handelsszenarien Nordrhein-Westfalen 2030“ für das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen untersucht.

Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart: „Nordrhein-Westfalen ist Handelsstandort Nummer eins in Deutschland. Unser Ziel ist es, die Zukunftsfähigkeit des stationären Handels weiter zu stärken und die Unternehmen bei der digitalen Transformation unterstützen. Die Studie ‚Handelsszenarien Nordrhein-Westfalen 2030‘ soll zum Denken und Diskutieren anregen. Es gibt keinen Grund für Schwarzmalerei, aber viele Gründe zum Handeln: Städte und Geschäfte werden sich verändern. Aber ich bin mir sicher, dass ein lebendiger und attraktiver Einzelhandel auch im Jahr 2030 die Menschen in die Geschäfte ziehen wird.“

NRW: Handelsstandort mit Strahlkraft und großen Herausforderungen

Rund ein Drittel des gesamten Einzelhandelsumsatzes in Deutschland wird von Unternehmen erwirtschaftet, die in NRW beheimatet sind. Und: Unter den eintausend umsatzstärksten Handelsunternehmen in Deutschland haben ebenfalls rund 30 Prozent ihren Sitz in NRW. Der Handelsstandort NRW ist also einer mit bundesweiter Strahlkraft. Umso wichtiger, dass sich der Handel in NRW zukunftsfähig aufstellt. Vor allem der wachsende Onlinehandel, der Strukturwandel im Handel und die zunehmende Verstädterung werden die Handelslandschaft nachhaltig verändern. In den am wahrscheinlichsten zu erachtenden Szenarien rechnen die IFH-Experten mit 13.000 bis 20.000 Geschäftsschließungen. Aktuell befinden sich in Nordrhein-Westfalen noch knapp 110.000 Einzelhandelsgeschäfte. Handel werde zukünftig vor allem in den attraktiven und hochfrequentierten größeren Städten NRWs stattfinden.

„Die Wahl des richtigen Standorts ist und bleibt ein zentraler Erfolgsfaktor im Handel. Neben ‚Lage, Lage, Lage‘ rückt nun auch ‚Kunde, Kunde, Kunde‘ in den Mittelpunkt, denn Kundenverständnis und Kundenbindung sind für die Zukunftssicherung im Handel zentral. Je passgenauer Angebote und Services gestaltet werden, desto größere Erfolgsaussichten hat ein Handelsunternehmen. Voraussetzung hierfür ist es, Daten über Kunden und Kundenverhalten nutzbar zu machen – Künstliche Intelligenz leistet hierzu einen wertvollen Beitrag“, so Boris Hedde, Geschäftsführer des IFH Köln.

Wandel aktiv angehen

Ausharren gilt nicht. Während Digitalisierung, Strukturwandel und Verstädterung kaum aufzuhalten sind, können Handel und Handelsstandorte ihre Zukunft selbst mitgestalten. Grundvoraussetzungen hierfür: Konsequente Kundenorientierung, Bereitschaft zum Wandel und umfassende Zusammenarbeit aller an einem Handelsstandort aktiven Akteure (HändlerInnen, Stadt, ImmobilieneigentümerInnen, Kultur-, Gastronomie- und Freizeitbetriebe etc.).

„Ein Beharren auf althergebrachten Strukturen, Vorgehensweisen und Denken in Einzelinteressen sind keine Erfolgsrezepte im digitalen Zeitalter – Stadt, Handel und Freizeit müssen sehr viel stärker zusammengedacht werden als dies heute der Fall ist. Die Vorteile der Plattformökonomie und der Digitalisierung müssen auch im stationären Handel umfassend genutzt werden“, appelliert Boris Hedde.

Digitalisierungsatlas Handel – Strategien für die digitale Transformation

Warum sind digitale Lösungen für den stationären Handel sinnvoll? Der „Digitalisierungsatlas Handel“, den das IFH Köln ebenfalls im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW erstellt hat, beantwortet diese Frage und liefert ausgewählte Praxisbeispiele aus acht Themenfeldern. Die Studie zeigt, der mobile Konsument, der sein Smartphone ständig bei sich hat, etabliert eine völlig neue Visitor Journey – noch ist der Handel in NRW hierauf nicht eingestellt. Der Digitalisierungsatlas bietet Orientierung und erste Ansätze, wie dem veränderten Verhalten der Innenstadtbesucher kundenzentriert begegnet werden kann.

Quelle: IFH Köln

Tags: Digitalisierung, stationärer Einzelhandel, stationärer Handel

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