3. September 2019 | Feature, Interview, Retail Technology, Shopping Today

Wer denkt, dass hauptsächlich Jugendliche online unterwegs sind, irrt. Immer mehr Senioren kaufen gerne im Internet ein.

Im Interview erzählt Spencer Hinzen, Director Sales, Central Region, Ruckus Networks, wofür die ältere Generation am liebsten ihr Geld ausgibt, was das für den Online-Händler bedeutet und wo trotz Digitalisierung noch nachgerüstet werden sollte.

Viele Senioren, mehr als beispielsweise 2017, kaufen mittlerweile im Internet ein. Woran liegt das? Ist die Handhabung auch einfacher geworden?

Mann in blauem Anzug, Bart und grauen Haaren lächelt schräg in die Kamera

Spencer Hinzen // © Ruckus Networks

In der Tat sehen wir, auch an den Ergebnissen unserer letztjährigen Online-Umfrage unter mehr als 1.000 Senioren, dass etwa 40 Prozent der über 65-Jährigen das Internet bereits zum Einkaufen nutzen. Insgesamt verbringen die Deutschen immer mehr Zeit online: Knapp 54 Millionen Menschen sind täglich im Netz und verbringen dort durchschnittlich 196 Minuten, also fast dreieinhalb Stunden!

Selbst die über 70-Jährigen surfen rund eine Stunde täglich im Internet. Der Anstieg der Onlineshopper unter den Senioren hat weniger mit der Handhabung zu tun, sondern vielmehr mit der zunehmenden digitalen Affinität der Nutzer. Computer, Smartphones und Laptops sind ständige Begleiter – und das endet nicht mit dem Eintritt in den Ruhestand. Im Gegenteil: Die Menschen sind es einfach gewohnt, diese Technologien zu nutzen und möchten auf die Möglichkeiten, die das Internet bietet, auch im Alter nicht verzichten.

Was schätzen Senioren am Onlineshopping?

Viele Verbraucher, und genauso auch die älteren Menschen, schätzen das komfortable Einkaufserlebnis von Zuhause aus. Wenn man nicht mehr so mobil ist, ist Onlineshopping eine gute Möglichkeit, weiterhin unabhängig zu bleiben und die gewohnte Lebensqualität aufrecht zu erhalten. Im Internet kann man sich trotzdem weiterhin über aktuelle Trends informieren und Artikel bestellen.

Welche Produkte und Plattformen sind bei der älteren Generation besonders beliebt?

Das Kaufverhalten der Silver Surfer und der Digital Natives ist grundsätzlich sehr ähnlich. Wobei: Die ältere Generation gibt, im Gegensatz zu den jüngeren digitalen Einkäufern, beim Onlineshopping mehr Geld aus. Zu den beliebtesten Produktkategorien bei Senioren zählen Bücher, Musik, Filme und sogar Videospiele. Dinge wie Möbel oder Kosmetik werden aber weiterhin gerne „offline“ gekauft.

Was sollten Online-Händler, die Senioren als Kunden gewinnen wollen, bei ihrer E-Commerce-Strategie beachten?

Zwei Senioren - Mann und Frau - sitzen vor dem Laptop und shoppen online

© PantherMedia / AndrewLozovyi

Wenn Onlineshop-Betreiber eine ältere Zielgruppe erreichen möchten, sollten sie ihre Marketing- und Werbemethoden an die Bedürfnisse der Senioren anpassen. Laut der Ruckus-Umfrage nutzt die Mehrheit der Befragten (55,7 Prozent) das Smartphone, um ins Internet zu gehen. Deshalb ist eine optimale Mobile Usability der Schlüssel zum Erfolg von E-Commerce-Anbietern.

Die Strategie endet aber noch lange nicht bei der Nutzerfreundlichkeit. Über die gesamte Customer Journey hinweg müssen E-Commerce-Unternehmen die Vorlieben ihrer Kundengruppen berücksichtigen. Da Senioren beispielsweise lieber per Rechnung bezahlen, sollte auch diese Bezahlmethode angeboten werden.

Auch wenn die Nutzung des E-Commerce weiter zunimmt, wo gibt es noch Verbesserungsbedarf?

Senioren legen viel Wert auf einen seriösen Webauftritt. Mit Testimonials oder Gütesiegeln können E-Commerce-Unternehmen diese Vertrauenswürdigkeit schaffen. Zudem wünschen sich Silver Surfer eine einfache Menüführung und detaillierte Beschreibungen zu ihren Wunschprodukten, Versandkosten, Garantien und Lieferzeiten. Zusätzlich können Online-Händler mit kompetenten Serviceangeboten wie Chatbots oder Rückruffunktionen punkten.

Ein Blick in die Zukunft: Wohin geht der Trend im Bereich E-Commerce für Senioren?

Senioren haben eine hohe Kaufkraft und sorgen so unter anderem dafür, dass E-Food inzwischen zu den am stärksten wachsenden Kategorien im deutschen E-Commerce zählt. Neben Lebensmitteln interessieren sich Senioren besonders für Freizeitaktivitäten, Reisen und Wellness. Mit Erholungsangeboten für Best Ager können E-Commerce-Unternehmen auch künftig Umsatz generieren. Voraussetzung dafür ist eine stabile Internetverbindung, die den Online-Einkauf zum Erlebnis macht.

Großen Nachholbedarf sehen wir aktuell bei der WLAN-Versorgung von Senioreneinrichtungen. Bisher gilt: Senioren, die in einer Senioreneinrichtung wohnen, werden aktuell weitestgehend vom E-Commerce ausgeschlossen. Warum? Laut WLAN-Studie Pflegeheime 2018 sind weniger als 40 Prozent der Senioreneinrichtungen in Deutschland aktuell mit WLAN ausgestattet. Erst wenn auch diese Einrichtungen eine flächendeckende, digitale Infrastruktur haben, ist ein reibungsloser Zugang zu Onlineshopping-Angeboten für weite Teile der Generation 65+ möglich.

Interview: Katja Laska

Erstveröffentlichung auf iXtenso – Magazin für den Einzelhandel

Tags: Digitales Marketing, E-Commerce, Online-Shop, Onlinehandel, Retail Marketing, online

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