12. Februar 2020 | Expo & Event Marketing, inside stories

Tradition und Bräuche des Altweiber im Rheinland

Altweiber, Weiberfastnacht oder Weiberfasching – der erste Tag vom deutschen Straßenkarneval hat viele Namen. Doch deren Aussage ist immer die gleiche: Dieser Tag gehört den „Weibern“. Sie feiern, singen und stürmen die Rathäuser. Und die Männer? Denen geht es an diesem Tag im wahrsten Sinne des Wortes „an den Kragen.“

Warum Sie das interessieren sollte? Nun, der letzte Tag der EuroShop 2020 fällt auf den 20.02., die diesjährige Weiberfastnacht. Hier erfahren Sie alles, was Sie als ortsfremder Messebesucher in Düsseldorf über diesen besonderen Tag wissen müssen.

Traditionell markiert Altweiber den Beginn des Straßenkarnevals, der das Rheinland für insgesamt sechs Tage in einen Ausnahmezustand versetzt. Bis Veilchendienstag, dem letzten Tag vor Beginn der Fastenzeit, sind „die Jecken los“. Kinder und Erwachsene verkleiden sich, Karnevalszüge ziehen mit bunten Wagen durch die Straßen, in den Kneipen ist die Hölle los und überall wird Karnevalsmusik gespielt. Auch an Altweiber kostümieren sich die Rheinländer, grölen Karnevalslieder und trinken Bier in rauen Mengen. Allerdings gibt es an diesem Tag einige Besonderheiten.

Kind in buntem Kostüm freut sich

© PantherMedia/diogoppr

Seinen Ursprung hat Altweiber Anfang des 19. Jahrhundert im Bonner Stadtteil Beuel. Die Beueler Wäscherinnen waren – wie wohl alle Frauen im katholischen und patriarchal geprägten Rheinland – das gesamte Jahr über fleißige und folgsame Ehefrauen. 1824 gründeten sie ein Damenkomitee, verkleideten sich als alte und hässliche Frauen, nahmen wie die Männer am Straßenkarneval teil und rissen das Kommando im Rathaus an sich.

Schnell folgten Frauen in anderen Städten und Dörfern dem Vorbild und feierten ihrerseits ebenfalls Fastnacht. Die Männer und die katholische Kirche sahen diese Entwicklung nicht sonderlich gerne, konnten diese „Frauenbewegung“ jedoch nicht mehr aufhalten. Also überließen sie den Frauen ganz offiziell den letzten Donnerstag vor Beginn der Fastenzeit für ihr karnevalistisches Treiben.
Heute hat sich Altweiber fest in der rheinischen Karnevalstradition verankert. Die emanzipatorischen Ursprünge sind zwar mittlerweile in den Hintergrund gerückt, doch haben sich viele der alten Bräuche bis heute gehalten. Hier ein kleiner Überblick über die Bräuche im Rheinland und speziell in Düsseldorf:

1. 11.11 Uhr

Die Zahl 11 spielt im Karneval eine entscheidende Rolle. Am 11.11. um 11.11 Uhr beginnt die offizielle Karnevalszeit, die auch gerne als „fünfte Jahreszeit“ bezeichnet wird. Und ebenso beginnt die Rathausstürmung und damit der offizielle Straßenkarneval an Weiberfastnacht keine Minute früher oder später als um 11.11 Uhr.

2. Kostümierte Narren

Nicht nur Frauen sind an Altweiber auf den Straßen unterwegs. An diesem Tag schlüpft der Anzugträger gerne in das Kostüm eines Astronauten, der Bäcker in das Kostüm eines Löwen, die Lehrerin in das einer Hexe und das kleine Mädchen in das einer Prinzessin. Es wird bunt in den Straßen rund um die Messe.

Mehrere Gläser Altbier

© PantherMedia / Frank Fischer

3. Karnevalsmusik

In der Karnevalszeit werden an allen Ecken und Enden Karnevalslieder gespielt. Karnevalslieder sind deutsche Lieder, die meist im Dialekt gesungen werden. Es handelt sich meist um Trinklieder, Liebeslieder oder Lieder mit lokalpatriotischem Inhalt. Rheinländer kennen in der Regel die meisten dieser Lieder auswendig und singen laut mit.

4. Schunkeln

Schunkeln bezeichnet eine Form des Tanzes oder, wenn man ehrlich ist, eine Form der rhythmischen Bewegung, die auch noch in betrunkenem Zustand möglich ist. Schunkeln kann man im Stehen oder im Sitzen. Dabei hakt man sich bei seinen Nachbarn mit den Ellenbogen ein und bewegt seinen Oberkörper im Takt der Musik von rechts nach links. Am Karneval wird immer und überall geschunkelt, egal ob auf der Straße oder in der Kneipe.

5. Helau

„Helau“ ist ein sogenannter Narrenruf, der im Karneval als Ausruf oder Begrüßung verwendet wird. Der Ausruf „Helau“ ist ähnlich wie das Schunkeln: Er passt immer und überall. Häufig wird er auch als Antwort oder Würdigung etwas zuvor Gesagtem gebraucht. Beispiel: „Altbier“ – „Helau“, „Altweiber“ – „Helau“, „Düsseldorf“ – „Helau“

6. Alt-Bier

Düsseldorfer trinken Alt-Bier. Natürlich tun sie dies nicht nur an Karneval, aber an Karneval hat der Konsum seine Hochphase. Alt ist in dunkles, obergäriges Bier, das in einem ganz speziellen Altbierglas serviert wird. Wir sagen: Prost!

7. Düsseldorf und Köln

Spätestens an dieser Stelle muss erwähnt werden, dass Karneval nicht gleich Karneval ist. Ganz im Gegenteil gibt es gravierende lokale Unterschiede, die auch durchaus zu Rivalitäten führen können. Besonders prominent ist die Rivalität zwischen Düsseldorf und Köln. Die beiden Städte verbindet das gesamte Jahr über eine Hassliebe, die sich im Karneval ganz besonders zeigt. Der Düsseldorfer trinkt Alt, der Kölner Kölsch; der Düsseldorfer sagt „Helau“, der Kölner „Alaaf“; in Düsseldorf schunkelt man zu den Liedern von „Alt Schuss“, in Köln zu den Liedern der Höhner oder Kasalla. Es ist wichtig, das zu wissen. Mit einem gegröltem „Alaaf“ verschafft man sich in Düsseldorf in der Regel keine neuen Freunde.

8. Die Möhnen

Als Möhnen werden Mitglieder in Frauenkomitees bezeichnet. Sie sind gewissermaßen die Ober-Weiber von Altweiber und halten sich noch sehr eng an die Tradition. Sie verkleiden sich als alte Frauen, ziehen lärmend durch die Straßen und übernehmen die Stürmung der Rathäuser. Die Präsidentin eines Damenkomitees ist die „Obermöhne“.

Das Rathaus von Düsseldorf

© PantherMedia /Eduard Shelesnjak

9. Prinz und seine Dame Venetia

Jedes Jahr „regieren“ ein Prinz und eine Prinzessin, die so genannte Dame Venetia, über den Düsseldorfer Karneval. Sie sind gewissermaßen das Oberhaupt des Karnevals, tragen ein bestimmtes Ornat und treten zu den Höhepunkten des Straßenkarneval öffentlich auf.

10. Der Möhnensturm

Um 11.11 Uhr stürmen die Möhnen das Düsseldorfer Rathaus am Marktplatz in der Altstadt. In einem symbolischen Akt überreicht der Oberbürgermeister der Prinzessin Venetia, der Düsseldorfer Karnevalsprinzessin, stellvertretend für alle Frauen den Schlüssel zur Stadt.

11. Die Krawatten

An Altweiber ist es Tradition, dass Frauen mit einer Schere den Männern die Krawatten als Symbol für die männliche Macht abschneiden. Krawatten sind an diesem Tag in Düsseldorf an keinem Ort sicher, auch nicht auf der EuroShop. Unser Tipp: Lassen Sie Ihre teuerste Krawatte an diesem Tag besser zuhause.

12. Bützchen

Und wem an Altweiber die Krawatte gekürzt wurde, der wird traditionsgemäß mit einem „Bützchen“ belohnt. Als „Bützchen“ wird im Rheinland ein Kuss auf die Wange bezeichnet. An Karneval werden gerne Bützchen verteilt, an alte und neue Bekannte gleichermaßen

13. Feiern

Vor allem aber ist Karneval eine Zeit der Freude und des gemeinsamen Feierns. An Karneval werden die Regeln auf den Kopf gestellt und die Nacht zum Tag gemacht. An Karneval wird gesungen, getrunken und getanzt. Schauen Sie doch nach der EuroShop einmal vorbei in einer der Kneipen der Düsseldorfer Altstadt und lassen Sie sich anstecken von der einzigartigen Stimmung von Karneval!
In diesem Sinne: „Retail“ – „Helau“, „Messe Düsseldorf“ – „Helau!“, „EuroShop2020“ – „Helau!“

Autor: Sonja Koller, EuroShop-Redaktion

Tags: Besucher, Citymanagement, EuroShop2020, Events, Messe, Stadtmarketing, Unterhaltung

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