3 Fragen an … Alican Mert, Mertiz Offset Packaging
17. April 2020 | 3 Fragen an ..., Interview, Retail Marketing

Heutzutage wird das „Nachhaltigkeits-Label“ auf vielen Produkten angebracht. Oft bedeutet dies, dass etwas aus natürlichen Materialien anstatt Kunststoff hergestellt wurde. Aber macht diese Eigenschaft allein etwas auch wirklich ökologisch nachhaltig?

Nachhaltigkeit ist auch in der Verpackungsindustrie ein besonders wichtiges Thema. Alican Mert, Exportleiter bei Mertiz Offset Packaging, erklärte uns, was wahre Nachhaltigkeit für ihn bedeutet und wie sich die Produktherstellung im Laufe der Zeit in seiner Firma entwickelt hat.

Herr Mert, können Sie uns kurz den Verpackungsmarkt in Ihrem Land und Ihre Herstellungsweise beschreiben?

Wir sind ein türkisches Familienunternehmen, das Verpackungen und Kartons aus Pappe und Papier herstellt. Der Verpackungsmarkt in der Türkei wächst jedes Jahr weiter, die Menschen verwenden häufig Papierverpackungen. Dieser Bereich hat sich zu einem der am schnellsten wachsenden Industriezweige in der Türkei entwickelt, insbesondere weil auch europäische Kunden versuchen, Hersteller zu finden, die standortmäßig näher liegen als beispielsweise unsere Konkurrenz aus Fernost. Lokale Fertigung und kurze Transportwege sind zu einem wichtigen Qualitätsmerkmal geworden.

Wir bei Mertiz Offset Packaging produzieren Papiertüten und Papierkartons. Das bedeutet natürlich, dass unsere Produkte aus Papier erzeugt werden und Papier wird – leider – aus Bäumen hergestellt. Um also ganz ehrlich zu sein: Es sind daher keine besonders umweltfreundlichen Produkte.

Wir verbrauchen jede Woche Millionen Tonnen Papier auf diesem Planeten. Das ist auf den ersten Blick gut für meine Industriebranche, aber wenn etwas schlecht für die ganze Welt ist, kann es auf Dauer auch keinen großen Nutzen für uns als Firma haben.

Als Nachhaltigkeit für uns zu einem zentralen Anliegen wurde, haben wir begonnen, Kraftpapier zu verwenden, weil es recycelbar ist. Aber letztendlich wird Kraftpapier eben auch aus Bäumen hergestellt. Selbst wenn man am Anfang 100 Prozent Recyclingpapier verwendet, war es ursprünglich trotzdem noch ein Baum, der dafür gefällt werden musste. Von daher waren wir mit dieser Lösung auch nicht zufrieden.

Wie haben Sie dieses Problem gelöst?

Jetzt verwenden wir sogenanntes „baumfreies“ Papier, das aus dem Abfall von Zuckerrohr herstellt wird – oder genauer gesagt: aus den Abfallprodukten, die bei der Zuckerrohrproduktion anfallen. Noch ist dies ein relativ neues Material für uns, aber wir schätzen uns glücklich, dass wir diese Art von Papier für unsere Produktion gefunden haben und darin auch ein sehr großes Potenzial sehen. Das Ganze nennt sich „Upcycling“. Es handelt sich hier also nicht um Recyclingpapier, sondern um Upcycling-Papier.

Unter Recycling versteht man, dass man etwas aus wertvollen Materialien herstellt und diese dann wiederverwendet. Beim Upcycling produziert man etwas aus Materialien, die sonst für nichts anderes verwendet werden können. Es sind also in erster Linie Materialien, die sonst auf dem Müll landen.

Sie waren als Aussteller auf der EuroShop 2020 mit dabei. Welche Erfahrungen haben Sie auf der Messe gemacht?

Die EuroShop ist natürlich keine Fachmesse für die Verpackungsindustrie. Die Verpackung spielt bei dieser Messe eine eher geringere Rolle. Aber die Fachbesucher der EuroShop wissen selbstverständlich genau, was sie wollen. Sie wissen, wen sie auf der Messe antreffen und auch wonach sie suchen.

Wir haben zahlreiche positive Rückmeldungen und Reaktionen für unsere Produkte erhalten, da die meisten Besucher auf der Suche nach einer nachhaltigen Lösung waren. Sie hatten gehofft, recycelte Produkte zu finden. Als ich ihnen dann unsere Lösung vorstellte – nicht recycelt, sondern upcycled –, übertrafen wir damit ihre Erwartungen.

Interview: Asif Saeed

Tags: EuroShop, EuroShop2020, Materialien, Nachhaltigkeit, Verpackung, Wiederverwertung

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