3. April 2020 | Retail Marketing, Retail News

Fashionhandel besonders betroffen, Lebensmitteleinzelhandel profitiert

Während der Lebensmittelhandel einen regelrechten Ansturm erlebt, sieht sich insbesondere der Fashionhandel mit Umsatzeinbußen konfrontiert. Die Prognosen für den stationären Nonfood-Handel sehen aus Sicht der Experten düster aus. Erste Unternehmen haben bereits Soforthilfen oder Schutzschirmverfahren beantragt. Besonders betroffen sind kleine und mittelständische Unternehmen. Wirtschaftsweisen gehen von einer deutlichen Rezession aus.

HDE-Geschäftsführer warnt vor drohenden Insolvenzen

Seit dem 18. März greift nun die offizielle Anordnung zur Schließung aller Geschäfte, die nicht der Grundversorgung der Bevölkerung dienen. Dies trifft insbesondere den Nonfood-Handel schwer. Der Handelsverband Deutschland (HDE) geht davon aus, dass gerade in dieser Branche 1,15 Milliarden Euro pro Tag an Umsatz verloren gehen. Demnach könne es kurzfristig zu Insolvenzen kommen, warnte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth darüber hinaus in einem FAZ-Interview.

Laut einer HDE-Trendumfrage nutzen bereits 90 Prozent der befragten Nonfood-Händler staatliche Hilfen oder planen, diese in Anspruch zu nehmen. Nicht verwunderlich, denn laufende Kosten wie Mieten fallen auch weiterhin an. Die Mieten, die laut HDE bezahlt werden müssen, liegen bei rund 15 Prozent der normalerweise üblichen Umsätze. Daraus resultieren monatliche Mietbelastungen für den Nonfood-Handel in Höhe von 4,4 Milliarden Euro.

Milliardenverluste im Fashionhandel befürchtet

Den Fashionhandel trifft es jetzt am stärksten. Bereits am Wochenende vom 14. und 15. März seien die Umsätze im stationären Textilhandel laut Genth um 40 bis 50 Prozent eingebrochen.

In der Textilwirtschaft wies Aurélien Duthoit, Branchenexperte Einzelhandel bei dem Kreditversicherer Euler Hermes Gruppe, darauf hin: „Jede Woche sind Umsätze von rund 890 Millionen Euro in Gefahr. Ein voller Monat Zwangsschließung könnte so bis zu 3,5 Milliarden Euro an Umsatzverlusten bedeuten.“ Dies entspreche fast acht Prozent des Jahresumsatzes. (In der Berechnung nicht berücksichtigt sind Fashion- und Schuhumsätze aus dem Onlinehandel oder Supermärkten.)

Hinzu kommt, dass der Onlinehandel, laut Genth, die Einnahmeausfälle in bestimmten Branchen – wie eben auch dem Textilhandel – nicht auffangen könne. Auch im Textilonlinehandel seien die Umsätze schon um 20 bis 30 Prozent zurückgegangen. Die Konsumneigung leide insgesamt stark.

Auch eine Befragung der Team Retail Excellence GmbH unter Bekleidungsherstellern, Mode- und Onlinehändlern ergab, dass die Hälfte der Befragten damit rechnen, dass das Verbraucherverhalten 2021 auf das Vorkrisenniveau zurückkehren wird. Von einer längerfristigen Veränderung des Kaufverhaltens gehen sogar 34 Prozent der Befragten aus.

FMCG profitieren durch Hamsterkäufe stark

Fast Moving Consumer Goods und somit vor allem der Lebensmitteleinzelhandel profitieren dieser Tage besonders von sogenannten Hamsterkäufen. Nach GfK Consumer Index konnten im Februar vor allem LEH-Food-Vollsortimenter um 16 Prozent, SB-Warenhäuser um 14 Prozent, Discounter um 13 Prozent und Drogeriemärkte um 12 Prozent zulegen. Schon Ende Februar schlugen sich die Hamsterkäufe in der Statistik nieder.

Am stärksten gehamstert wurde laut Marktforschungsunternehmen IRI in der zweiten Märzwoche. Vor allem im Bundesland Bayern konnte ein Umsatzplus von 42 Prozent im Vergleich zur Vorjahreswoche verzeichnet werden. Es folgten Baden-Württemberg (+40 %) und das von IRI unter „Mitte“ zusammengefasste Gebiet bestehend aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland mit +39 Prozent. In NRW bewegen sich die Umsätze zwar ebenfalls im überdurchschnittlichen Bereich, liegen im Ländervergleich aber am Ende des Rankings.

Autor: Melanie Günther

Tags: Lebensmitteleinzelhandel, Onlinehandel, stationärer Einzelhandel, stationärer Handel

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