27. Mai 2020 | Interview, Lighting, Shopping Today

Interview mit Pierluigi Gusmani, International Sales Director bei Imoon

Das italienische Unternehmen Imoon hat bereits die passende Beleuchtung für große Lebensmitteleinzelhändler wie Carrefour, Coop, E.Leclerc, Warner’s Budgens und Globus realisiert. Der charismatische Pierluigi Gusmani spricht über die aktuellen Entwicklungen von kundenspezifischen Lösungen und seine Begeisterung für das Beleuchtungsdesign.

Herr Gusmani, was fasziniert Sie am Arbeitsfeld Beleuchtung?

Pierluigi Gusmani: Das Lichtdesign ist eines der wenigen Gebiete, in dem unterschiedliche Perspektiven und verschiedene Wissenschaftsbereiche eine gleichermaßen wichtige Rolle spielen. Ingenieurwesen und Architektur, Technologie und Design, Energieeffizienz und der emotionale Aspekt: Innerhalb eines jeden Projekts gibt es immer einen technischen und einen kreativeren Teil, und es ist das Zusammenspiel beider Teile, das unseren Kunden einen Mehrwert und das gewisse Etwas bietet.

Würden Sie uns etwas über ihre dynamischen Beleuchtungssysteme für Schaufenster erzählen und erklären, wofür Einzelhändler sie nutzen können?

Schaufenster spiegeln das Markenimage wider und ihr Format, ihre Gestaltung und die Objekte in der Auslage ändern sich ständig. Daher muss auch die Beleuchtung flexibel und in der Lage sein, sich an die unterschiedlichen Kommunikationsstrategien der Händler anzupassen: Unser skalierbares und dynamisches Beleuchtungssystem für Schaufenster nutzt die digitale Beleuchtungstechnologie, also digitale Protokolle, mit denen sich vom Tablet oder Smartphone aus die LEDs, auch RGB, ansteuern lassen, um stimmungsvolle Beleuchtungsszenarien zu gestalten. Der Händler hat dabei die Möglichkeit, unterschiedliche und sich wiederholende Programme einzustellen, sodass die jeweilige Beleuchtung sich zum Beispiel an den Tag- und Nachtwechsel, Wetterphänomene oder den Wechsel der Jahreszeiten anpasst.

So können im Sommer etwa kalte, bläuliche Farbtöne eingesetzt werden, die ein Gefühl der Frische vermitteln, während in der kalten Jahreszeit eher die warmen Gelbtöne dominieren. Dabei gibt es verschiedene Kombinationsmöglichkeiten.

Das System besteht aus Beleuchtungselementen an der Decke, an den Seiten und am Boden, die ein Spiel mit Schatten und Perspektiven ermöglichen. Schließlich lassen sich mit dem Digitalzoom neben verschiedenen Farbtönen auch unterschiedliche Beleuchtungsarten programmieren, um beispielsweise den Strahlungswinkel zu verändern und bestimmte Details oder Accessoires noch stärker in den Fokus zu rücken.

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Pierluigi Gusmani

Sie haben Kunden sowohl im Lebensmittel- als auch im Modeeinzelhandel. Was sind die unterschiedlichen Anforderungen an Beleuchtungsprojekte in diesen verschiedenen Szenarien?

Die große Vielfalt bei den Produkten und Einrichtungsformen im Food Retail sind wichtige Aspekte bei der Planung der Beleuchtungstechnik: Diese Planung muss unter Berücksichtigung der verschiedenen Produktfarben, der Ausstellungsmöbel und des Layouts insgesamt erfolgen, um die Produkte optimal präsentieren zu können. Diese Anforderungen wiederum führen zur Entwicklung von immer fortschrittlicheren Technologien, wie zum Beispiel speziellen LEDs, sodass die Beleuchtung gezielt und individuell auf die jeweilige Warenkategorie abgestimmt wird: von der Fleisch- oder Fischtheke über die Gastronomie oder Käsetheke bis hin zum Angebot an Obst oder Gemüse. Eine besondere Rolle dabei spielt außerdem die Lichtverteilung. Große Ausstellungsflächen, wie zum Beispiel Obst- und Gemüsetheken oder auch Regalreihen, benötigen eine gleichmäßige und effiziente Beleuchtung.

Im Fashion Retail hingegen kommen meist Design-Spots zum Einsatz, mit denen sich besondere Beleuchtungsakzente setzen lassen. Außerdem werden dort bevorzugt sehr schmale und stark abgegrenzte Lichtkegel eingesetzt, die die ausgestellte Ware in den Fokus rücken, während die Betonung von Farben und Kontrasten zwischen den einzelnen Abteilungen nur leicht variiert. Im Vergleich zum Food-Retail stellen wir bei den Beleuchtungskonzepten hier also eine größere Einheitlichkeit fest.

Der emotionale Aspekt schließlich spielt bei Projekten im Food- und Fashionsektor eine gleichermaßen wichtige Rolle. Das Ziel dabei ist es, ein einladendes Ambiente zu schaffen, das das Wohlbefinden der Verbraucher fördert und ihre Kauflust steigert.

Unterscheiden sich die Anforderungen der Kunden aus verschiedenen Ländern?

Die Anforderungen an die Lichtintensität auf den Oberflächen variieren stark je nach der geografischen Lage. Gleiches gilt auch für die Anforderungen an die Energieeffizienz. Um es allgemein zu formulieren: Die im Norden gelegenen Länder bevorzugen eine höhere Energieeffizienz und weniger intensive Lux-Werte als die Mittelmeerländer, in denen gewöhnlich stärkeres Licht gewünscht wird. Die Strategien der einzelnen Händler hängen im Übrigen auch von ihrer Wettbewerbsposition sowie von verschiedenen sozio-ökonomischen Faktoren ab. In diesem Sinne ist es unsere Aufgabe, die Anforderungen der Händler und des Marktes, in dem sie sich bewegen, immer auch in ihrem jeweiligen kulturellen Kontext zu sehen und umzusetzen.

Nur ein Beispiel: Manche Händler möchten Emotionen wecken und schaffen ein stimmungsvolles Ambiente, in dem das Licht eine vorrangige Rolle bei der Raumgestaltung spielt. Andere bevorzugen hingegen eine eher nüchterne und effiziente Lösung, die die Produktwahrnehmung seitens der Verbraucher widerspiegelt. Auch die Auswahl der bei einem Projekt eingesetzten LED-Typen ist stark von der geografischen Lage abhängig. Deshalb haben wir in die Forschung und in die Entwicklung spezieller LEDs mit unterschiedlichen Farbtönen investiert, die je nach Erwartung der Kunden die Kontraste oder die Natürlichkeit der Farben betonen.

Wie kann Beleuchtung Kunden in einem Geschäft leiten?

Das Ziel der richtigen Beleuchtung ist es, dem Kunden im Store Orientierung zu geben und die ausgestellte Ware gut sichtbar zu machen. Auch in diesem Fall führen unterschiedliche Technologien zu verschiedenen Ergebnissen. So ist es zum Beispiel möglich, die Aufmerksamkeit der Kunden mit besonderen Beleuchtungsakzenten auf die Warenkategorien zu lenken, die für den Händler am profitabelsten sind, so wie auf den Frischebereich oder die Weinabteilung. Oder aber die Beleuchtung ist harmonisch, wie beispielsweise im Gastronomiebereich, sodass der Kunde sich wohlfühlt, sich länger im POS aufhält und sich dadurch letztendlich auch der durchschnittliche Einkaufsbetrag erhöht.

Welche Erfahrungen aus dem globalen Markt verwenden Sie in Ihren Geschäftsaktivitäten?

Sowohl bei den mittleren und großen Einzelhändlern als auch im Fashion Retail herrscht ein intensiver Wettbewerb, sodass die Händler sich einen speziellen Wettbewerbsvorteil sichern müssen. Unsere Fähigkeit, ihnen aufmerksam zuzuhören und ihre Anforderungen zu verstehen, versetzt uns in die Lage, flexible, effiziente und technologisch fortschrittliche Lösungen zu entwickeln. Deshalb investiert unser Unternehmen in die Forschung und Entwicklung von Produkten, die sich durch eine hohe Modularität und unbegrenzte Konfigurierungsmöglichkeiten auszeichnen.

Vor allem verfügen wir über zahlreiche Produktfamilien, deren einzelne Elemente sich ähnlich wie beim Legostein-System modular an jeden beliebigen Projekttyp anpassen lassen. Außerdem haben wir mit der Gründung der Marke Makris auch die Möglichkeit, nicht nur Designprodukte zu liefern, sondern auch maßgeschneiderte Produkte zu schaffen, die den Stil und die Persönlichkeit des Händlers optimal zum Ausdruck bringen. Darüber hinaus stellen die vielseitigen Qualifikationen unseres Teams einen wichtigen Mehrwert dar, der sich während der Entwicklungsphase neuer Produkte insbesondere in einer gründlichen technischen Bewertung niederschlägt.

Echte Maßarbeit, die jedoch im Laufe der Zeit zur Entwicklung von wiederholbaren Konzepten führt, wodurch sich die Effizienz bei der Umsetzung erhöht. Der Wunsch der Händler nach Einzigartigkeit schließlich führt auch zu einem immer stärkeren Interesse an einer Gesamtkonzeption der Inneneinrichtung im POS. In diesem Zusammenhang ist auch unsere strategische Partnerschaft mit Schweitzer Interstore zu sehen, mit der wir unsere Beleuchtungskonzepte auf dem deutschen Markt nach vorne bringen wollen und die uns außerdem in die Lage versetzt, die Planung von Raumgestaltung, Einrichtung und Beleuchtung in einem Projekt zu bündeln.

 

Interview: Julia Pott, Natascha Mörs

Erstveröffentlichung auf iXtenso – Magazin für den Einzelhandel

Tags: LED, Lebensmitteleinzelhandel, Lichtdesign, Modeeinzelhandel, Storedesign
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