3. Juni 2020 | Feature, Retail Technology, Visions of Retail

All-in-one-Kassenlösungen für die Hosentasche

von Melanie Günther (exklusiv für EuroShop.mag)

Pop-up-Stores oder Pop-up-Spaces sind längst keine neue Erfindung mehr. Für einen kurzen Zeitraum werden hier Produktneuheiten angeboten oder innovative Storekonzepte getestet. Der Fokus liegt vor allem auf einer guten Idee und dem Design sowie den geringen Kosten und gleichzeitig hohem Absatz. Viele Händler unterschätzen dabei, wie wichtig die technische Ausstattung auch bei einem temporären Ladengeschäft ist.

Vollwertige Kassensysteme inklusive lokalem Netzwerk und Internetanschluss aufzustellen, erfordert zunächst einmal eine große Menge an Ressourcen und das nicht nur technischer Natur, denn Display, Kassenschublade, Drucker, Barcodescanner und Kartenlesegerät nehmen Raum ein, der gerade in Pop-up-Stores für die Präsentation der Ware genutzt werden könnte.

mPOS: Smartphone-ähnliche Betriebssysteme liegen voll im Trend

Pop-up-Boxes in der Concept Mall in Bikini Berlin

Der sogenannte Market Lifestore in der Concept Shopping Mall „Bikini Berlin“ bietet diverse Pop-up-Boxes, die regelmäßig von neuen Stores bezogen werden. © Bikini Berlin

Die Alternative: ein mobiles, digitales Kassensystem für die Hosentasche, das unabhängig von einem bestimmten Standort jederzeit am POS genutzt werden kann. Mittlerweile gibt es neben Tablet-Kassensystemen auch mobile All-in-one-Kassenlösungen, die kaum größer als ein Smartphone sind und trotz ihrer handlichen Größe den vollen Funktionsumfang mit Kassen- und Verwaltungsoberfläche bieten. Die Vorteile:

  • Kartenzahlung oder aber auch kontaktlose Zahlungen per NFC wie Google Pay oder Apple Pay möglich
  • integrierter Barcodescanner und Bondrucker
  • SIM-Karte und WLAN-Funktion

Die Pluspunkte liegen sprichwörtlich gesehen auf der Hand, denn Benutzeroberfläche und Handhabung sind jedem durch das eigene Smartphone bekannt. Die Anforderungen der Generation Z, die mit Smartphones großgeworden ist, werden die Usability weiterhin maßgeblich beeinflussen. Im Payment-Bereich werden daher bereits gesicherte und gehärtete Betriebssysteme, als Derivate von bekannten Smartphone-Betriebssystemen genutzt.

Neben der klassischen Kassenfunktion verfügen moderne All-in-one-Lösungen darüber hinaus über Funktionen zur Warenerfassung und Lagerverwaltung. Wer auf eine Cloud-Lösung setzt, hat außerdem den Vorteil, sich an jedem beliebigen Gerät im Account einzuloggen und Statistiken auszuwerten. Denn egal wie viele Geräte im Einsatz sind, Unternehmer können von überall auf die Umsätze und Produktdaten zugreifen. Auch Artikel können dann einfach angelegt, kategorisiert und Preise vergeben werden. Je nach Umfang bieten einige Anbieter auch die Auswertung spezifischer Kundendaten an. So lässt sich zum Beispiel die Herkunft der Kunden, aber auch der Anteil der wiederkehrenden Kunden ermitteln. Für eine schnelle und temporäre Integration sorgen heutzutage flexible Mietmodelle.

Offene Baustelle: Kundenbindungsprogramme

All-in-one-Kassenlösungen oder auch hybride Lösungen sind dann sinnvoll, wenn Platz eingespart werden muss und die Beratung sowie der Kaufabschluss daher direkt auf der Fläche stattfinden.

Die gängigen auf dem Markt befindlichen Lösungen haben allerdings einen Nachteil: Oft hapert es an Services für Stammkunden, weil Bonuspunkte nicht erfasst werden oder Treueprogramme nicht abrufbar sind. Darunter leidet das Einkaufserlebnis der Kunden. Um eine entsprechende Lösung anzubieten, ist dann wiederum die Integration der Daten in das bestehende Warenwirtschaftssystem notwendig. Daher sollte von vornherein festgehalten werden, welche technischen Anforderungen an einen Pop-up-Store gestellt werden. Denn gerade bei bestehenden Marken kann das Fehlen des etablierten Kundenbindungsprogrammes schnell zu Unzufriedenheiten auf Kundenseite führen. Dieses Defizit wurde auf Anbieter-Seite bereits erkannt. Einige arbeiten aber aktuell an einer Unterstützung von Bonusprogrammen für mobile Terminals.

„Point-of-Sleep“ bei Casper

Das Matratzen Start-up Casper – eigentlich von Haus aus Online-Pure-Player – eröffnete 2018 seine ersten Pop-up-Stores in Nordamerika. Die Grundlage für die Aufsetzung eines Point-of-Sale-Systems (von Casper als „Point-of-Sleep“-System bezeichnet) innerhalb der Pop-up-Stores bildete der Onlineshop von Casper. Das bedeutete, dass die Mitarbeiter mit Laptops in den Geschäften umhergingen und Kunden beim Bezahlen die gleichen Schritte durchliefen wie bei einer Onlinebestellung. Verständlicherweise sorgte dieses schwerfällige System für einen hohen Arbeitsrückstand der Mitarbeiter am Ende des Tages.

Aus diesem Grund entschied sich das Unternehmen dafür, ein mobiles Kassensystem einzuführen, um die Prozesse in den Stores zu optimieren. Die Anforderung dabei lautete: Die besten Aspekte des Onlineshops in die Pop-up-Geschäfte zu bringen. Dank des nahtlos funktionierenden Zahlungssystems konnten sich die Mitarbeiter wieder mehr auf die Interaktionen mit den Kunden konzentrieren. Denn der Kauf einer Matratze ist bekanntermaßen eine sehr wohlüberlegte Anschaffung, die ein intensives Gespräch mit dem Fachpersonal erfordert. Die Einführung eines mobilen POS hatte zur Folge, dass dieses Gespräch wieder überall im Geschäft stattfinden konnte.

Coronakrise wird Nachfrage nach Pop-up-Lösungen verstärken

ROSE Bikes Pop-up-Store in Münster

©ROSE Bikes

Die Coronakrise trifft die internationale Wirtschaft hart. Es ist davon auszugehen, dass die wirtschaftlichen Folgen, die Nachfrage nach Pop-up-Flächen oder Stores weiterhin antreiben wird.

So beispielsweise auch bei der Kooperation zwischen ROSE Bikes und dem Lufthansa City Center Reisebüro ReiseArt: Der Fahrradhändler aus Bocholt eröffnete Anfang Mai einen Pop-up-Showroom in den unteren Geschäftsräumen des Reisebüros in der Fahrradmetropole Münster, da dieses seine Geschäftsräume aufgrund der Coronakrise derzeit nicht voll nutzen kann.

Tags: Kasse, Mobile-POS, Mobiles Bezahlen, Pop-up Store, Terminal

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