Selbstständige während Corona: Digitalisierungsdruck im stationären Einzelhandel
22. Juni 2020 | News, Retail Technology, Shopping Today

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Selbstständige in Deutschland untersucht eine aktuelle Studie vom Verband der Gründer und Selbstständigen e. V. (VGSD), dem Leibniz Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim und dem Forschungszentrum Mittelstand an der Universität Trier.

Lexware hat die Umfrage als Partner unterstützt, an der über 27.000 Selbstständige und Unternehmer*innen teilgenommen haben, darunter zahlreiche Lexware- und lexoffice-Kund*innen. Die Ergebnisse lassen einen deutlichen Handlungsbedarf im Bereich Digitalisierung im stationären Handel erkennen. Die Krise kann als Katalysator dienen, um jetzt die Digitalisierung in Angriff zu nehmen.

Der Einzelhandel ist – nach Industrie und Handwerk – die drittgrößte Wirtschaftsbranche in Deutschland. Rund drei Millionen Menschen sind hier tätig. Der stationäre Einzelhandel ist vom Einbruch der Wirtschaftstätigkeit durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie besonders stark betroffen. In der aktuellen Studie zur Situation der Selbstständigen in Deutschland von VGSD, ZEW Mannheim und dem Forschungszentrum Mittelstand der Universität Trier wurden auch etwa 300 kleinere stationäre Einzelhändler*innen befragt. Während die Lage der über 27.000 Befragten durch die Pandemie generell schwierig ist, gibt es innerhalb der Branchen relativ große Unterschiede, wobei der ermittelte Digitalisierungsgrad dabei jeweils eine beachtliche Rolle spielt.

Zeitweise Schließung der Ladengeschäfte als Final für „stationär only“?

Trauriges Ergebnis: Knapp ein Viertel (22 Prozent) der befragten Einzelhändler*innen halten es für sehr oder eher wahrscheinlich, dass sie in den kommenden Monaten ihre Selbstständigkeit aufgeben müssen. Über die Hälfte (55 Prozent) der soloselbstständigen stationären Händler*innen unter den Befragten gaben einen Umsatzrückgang von über 75 Prozent an. Knapp zwei Drittel der Händler*innen (63,3 Prozent) hatten Soforthilfen beantragt; 59 Prozent hatten Kurzarbeitergeld beantragt oder planten dies. Der Digitalisierungsgrad im unabhängigen stationären Handel ist zum Zeitpunkt der Befragung gegenüber anderen Branchen eher gering: Im Bereich Produkt sagen das 51,1 Prozent, bei Geschäftsprozessen sind es 32,8 Prozent und in der Kundenberatung geben sogar 52,1 Prozent der Befragten einen niedrigen Digitalisierungsgrad an. Vor allem das Produktangebot im Handel hat in Sachen Digitalisierung von der Krise profitiert: 15,7 Prozent verändern ihr Produktangebot, etwa elf Prozent wollen ihr Produkt (eventuell) sogar dauerhaft verändern und 22 Prozent erklären, die Digitalisierung ihres Produktes habe seither zugenommen. Dafür stehen den Händler*innen vielfältige Möglichkeiten und Plattformen offen.

Grad der Digitalisierung beeinflusst die Schwere der Situation

Laut einer Auswertung des ZEW, das aus den Gesamtergebnissen speziell die Situation der rund 16.000 befragten Soloselbstständigen extrahierte, sind hochdigitalisierte Soloselbstständige deutlich krisenresistenter und leiden seltener unter negativen Konsequenzen der Pandemie als wenig oder gar nicht digitalisierte, zu denen sich viele der befragten stationären Einzelhändler*innen zählen lassen müssen. „Die Tech-Handels-Giganten wie Amazon, Zalando & Co. sind für den Einzelhandel eine große Herausforderung, das hat sich während des Lockdowns noch einmal eindrücklich gezeigt. Lebensmittel, Medikamente oder Drogerieartikel – alles lässt sich heute bequem online bestellen. Deshalb sollten Händler*innen die Chancen der Digitalisierung jetzt ergreifen. Das heißt nicht zwingend, einen eigenen Onlineshop aufbauen zu müssen. Das stationäre Einkaufserlebnis kann durch die Digitalisierung interner Prozesse wie Buchhaltung oder Kundenmanagement, die Implementierung zeitgemäßer Kassensysteme und Bezahlmethoden oder Social-Media-Präsenzen verbessert und ergänzt werden“, so Jörg Frey, Geschäftsführer bei Lexware.

Unternehmerische Kreativität in Sachen Digitalisierung

Eine Händlerin, die durch Corona kurzfristig auf Onlineangebote gesetzt hat, ist Astrid Prediger. Ihr Modeladen PREDIGER! in der Freiburger Altstadt hatte während des Lockdowns 25-jähriges Jubiläum. Um die Kundinnen auch während der zwangsverordneten Schließung zu erreichen, setzte die Modeexpertin kurzerhand auf Instagram und Facebook als ihre neuen, digitalen Schaufenster. Hier teilte sie Outfit-Inspirationen, die während des Lockdowns per Anruf bestellt werden konnten und innerhalb der Region spätestens am nächsten Werktag geliefert wurden. Für den Experten und unermüdlichen Streiter in Sachen Selbstständigkeit, VGSD-Vorstand Dr. Andreas Lutz, stehen Selbständige wie Astrid Prediger auch „für die Vielfalt in unseren Städten und im kulturellen Leben“. Er setzt sich mit seinem Verband dafür ein, dass die (Solo-) Selbstständigen nicht die Verlierer dieser Wirtschaftskrise werden. Prediger gehört zu den „Lexware Mutmachern“, die anderen Selbstständigen durch ihre Geschichte Mut machen und eine Anregung geben wollen, die Krise als Chance zu begreifen, vor allem in Sachen Digitalisierung.

Quelle: Lexware

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