27. Juli 2020 | Interview, Shop Fitting & Store Design, Shopping Today

Norbert Scheele, C&A Country Manager AT, CEE und SEE im Interview

Ilona Marx (exklusiv für EuroShop.mag)

Große Einzelhandelskonzerne hatten bereits in der Vergangenheit mit einigen Herausforderungen zu kämpfen. Einem veränderten Konsumentenverhalten und der Digitalisierung. Doch wie gehen Konzerne wie C&A mit der Corona-Pandemie um? Wo sehen sie die Gefahren, wo die Chancen für ihr Unternehmen? Norbert Scheele verantwortet als Country Manager für C&A Österreich, Mittel- und Osteuropa sowie Südosteuropa. Wir sprachen mit ihm darüber, wie das Virus die Entwicklungen in seinem Unternehmen beeinflusst hat, welche Nachhaltigkeitsengagements C&A verfolgt und ob die Welt nach Corona aus seiner Perspektive noch dieselbe sein wird.

Norbert Scheele, C&A Country Manager AT, CEE und SEE

Norbert Scheele, C&A Country Manager AT, CEE und SEE

Herr Scheele, wie ist die aktuelle Situation bei C&A?

Nach vielen Wochen, in denen unsere Läden geschlossen waren, können wir nun endlich wieder berichten, dass alle unsere Filialen in der von uns betreuten Region wieder geöffnet sind. Da die Vorgaben der jeweiligen Regierungen in Österreich, den CEE- und SEE-Ländern doch sehr unterschiedlich gewesen sind, mussten wir in den jeweiligen Ländern mit unterschiedlich langen Schließungsphasen umgehen und uns an die jeweiligen Gegebenheiten anpassen.

Welche Maßnahmen hat C&A in dem von Ihnen verantworteten Gebiet getroffen, um die Corona-Krise zu meistern?

Um die Arbeitsplätze unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu sichern, haben wir natürlich auf die unterschiedlichen Modelle der Kurzarbeit zurückgegriffen und schon während der Schließungsphase intensiv mit den internen Vorbereitungen für die Wiedereröffnung unserer Betriebsstellen begonnen, um unsere Kunden und Mitarbeiter bestmöglich vor einer eventuellen Ansteckung zu schützen.

Wo sehen Sie Gefahren der aktuellen Lage? Wie möchten Sie ihnen begegnen?

Wie man anhand der aktuell wieder leicht ansteigenden Infektionsraten erkennen kann, ist es unerlässlich, auch weiterhin auf die Sicherheit unserer Kunden und Mitarbeiter in allen unseren Betriebsstätten zu achten und für die Einhaltung des vorgeschriebenen Mindestabstandes Sorge zu tragen. Ebenso werden wir auch weiterhin auf den Einsatz von Plexiglaswänden im Kassenbereich setzen und die Einhaltung aller vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen sehr ernst nehmen.

Sehen Sie auch Chancen?

Erfreulicherweise konnten wir während der Filial-Schließungsphase eine sehr gute Entwicklung unseres europäischen Online-Shops beobachten und waren glücklich zu sehen, dass unsere Kunden und Kundinnen auch während der akuten Phase der Pandemie uns durch Online-Shopping die Treue gehalten haben. Während der doch dreimonatigen Phase hat sich außerdem für alle unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Verwaltungs- und Office-Bereich sozusagen „The New Way of Working“ im Home-Office etabliert und dank modernster Technik konnten alle KollegInnen im Verwaltungsbereich ihre Arbeit nahtlos fortführen.

C&A Store inside

Welche Entwicklungen hat Corona in Ihrem Unternehmen noch vorangetrieben?

Durch den abrupten Lockdown in nahezu ganz Europa waren wir gezwungen, alle physischen Meetings sofort zu canceln und sämtliche Besprechungen per Videokonferenzsystem abzuhalten. Was in der Vergangenheit noch unvorstellbar gewesen ist, hat sich jetzt schon zu einer neuen Normalität entwickelt und schont gleichzeitig unsere Umwelt aufgrund der verminderten Reisetätigkeit.

Wo sehen Sie Möglichkeiten, den Verkauf zu verbessern?

Die Erfahrung der letzten Wochen hat uns gezeigt, dass sich unsere Investitionen in die unterschiedlichen Vertriebskanäle in den vergangenen Jahren gelohnt haben. So haben wir unter anderem unseren Online- mit dem Offline-Handel im Zuge des Omnichannel-Prinzips mit Click & Collect verknüpft und uns dadurch neue Geschäftspotenziale eröffnet. Mit der Verbindung von traditionellem Geschäft mit E-Commerce, mobilen Apps sowie der Präsenz auf den gängigen Social-Media-Kanälen lässt sich die Reichweite deutlich steigern, neue Kundengruppen können erschlossen werden und dadurch steigt die Kundenbindung. Bietet ein Händler eine Abholoption für Online-Käufe am Point of Sale an, können dadurch Umsatzeinnahmen im Offline-Geschäft generiert werden. Der Konsument erhält damit den größtmöglichen Handlungsspielraum und den bestmöglichen Service. Dies erfüllt das Bedürfnis des modernen Kunden nach Flexibilität und Mobilität.

Spüren Sie ein verändertes Konsumentenverhalten nach der Aufhebung des Lockdowns?

Front C&A Store

Im Bereich unseres stationären Handels konnten wir unmittelbar nach Aufhebung des Lockdowns tatsächlich ein verändertes Konsumentenverhalten feststellen, das größtenteils noch anhält. Es ist eindeutig erkennbar, dass die Kunden generell vorsichtiger geworden sind und sich weniger in Shopping Malls und stark frequentierten High Streets aufhalten möchten. Das Einkaufen in kleineren lokalen Fachmarktzentren wird derzeit eindeutig bevorzugt, da man hiermit das Ansteckungsrisiko minimieren kann.

Ist die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten spürbar gestiegen?

C&A hat sich bereits seit vielen Jahren der Nachhaltigkeit verschrieben. Deshalb haben wir es uns zum Ziel gesetzt, so viele unserer Kleidungsstücke wie möglich ökologisch und sozial verantwortungsvoll zu produzieren. Nachhaltigkeit bedeutet für uns, dass wir schon beim Design unsere Produkte daran denken, wie wir sie für ihr zweites Produktleben gestalten können. Anzustreben ist eine Textilindustrie, die sichere Materialien verwendet und wiederverwendet, die die Umwelt schützt und menschenwürdige Arbeitsplätze bietet. Wir sind vom Konzept der „Circular Fashion“ überzeugt, einer Kreislaufwirtschaft, die weder bei der Herstellung noch bei der Entsorgung Ressourcen vergeudet. Wir wollen eine Zukunft, in der nachhaltige Bekleidung nicht nur eine Möglichkeit, sondern eine Selbstverständlichkeit ist. Bereits jedes zweite Teil unserer Kollektionen wird mit nachhaltigeren Materialien hergestellt. Nahezu 50 % unserer Baumwolle ist zertifizierte Biobaumwolle. Und die Nachfrage unserer KundInnen ist ungebrochen hoch nach unserer nachhaltigsten Kollektion „Cradle to Cradle“. Diese besteht aus 100 % Biobaumwolle und beinhaltet eine verantwortungsbewusste und wassersparende Produktion, unschädliche Inhaltsstoffe sowie recycelbare Materialien und vieles mehr.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf die von Ihnen betreuten Märkte? Gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern? Wenn ja, worauf führen Sie diese zurück?

Die in Österreich umgesetzten Maßnahmen hatten ein relativ rasches Öffnen des Einzelhandels zur Folge und ermöglichten uns bereits eine teilweise Wiedereröffnung unserer Filialen am 14. April. In den SEE- und CEE-Ländern war dies sehr unterschiedlich zu beobachten und es gab in den meisten Ländern eine Schritt-für-Schritt-Öffnung, oft auch nur auf begrenzter Verkaufsfläche. Aber auch hier wurde je nach Entwicklung der aktuellen Infektionszahlen eine Wiedereröffnung der Geschäfte unter Einhaltung der von der jeweiligen Regierung vorgegebenen Maßnahmen unter Abwägung aller Risikofaktoren schrittweise gestattet.

Welchen Einfluss wird Corona Ihrer Meinung nach auf den Ladenbau haben?

Ich könnte mir vorstellen, dass die Kunden und Kundinnen noch weniger Berührungspunkte im Geschäft bevorzugen. Der Wunsch nach Self-Scanning-Kassen inklusive kontaktlosem Bezahlen und automatischen Türen würde das Ansteckungsrisiko minimieren, da weder Druckknöpfe noch Türgriffe angefasst werden müssten.

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