3 Fragen an … Tudor Andronic, Bizerba
7. September 2020 | 3 Fragen an ..., Feature, Food Service Equipment, Interview

Selbst ist der Kunde. Für Tudor Andronic, Vice President Global Retail beim Waagen-Hersteller Bizerba, müssen sich stationäre Händler in Zukunft auf „Self-Anything“ einstellen.

Doch wie helfen Waagen, Wägetechnik und modernes Food Service Equipment dabei den Kunden in den Einkauf einzubinden?

Herr Andronic, welche Möglichkeiten bieten die digitale Vernetzung und das Internet of Things im Bereich Wägetechnik und Food Service Equipment?

Tudor Andronic: Der steigende Lebensstandard und die Urbanisierung sorgen dafür, dass Retailer den Zugang zu Lebensmitteln differenziert organisieren und gewährleisten, das heißt breiter aufstellen müssen. Insbesondere Situationen wie die aktuelle Corona-Pandemie beeinflussen das Konsumentenverhalten und bringen geänderte Hygienemaßnahmen/-anforderungen mit sich. Der stationäre Handel muss schnell reagieren und kurzfristig neue Businessmodelle und Prozesse wie Bestell- und Abholservices umsetzen. Digitale Vernetzung und IoT im Bereich Wägetechnik und Food Service Equipment unterstützen Händler dabei durch einen schnelleren Kommunikations- und Datenfluss zwischen den Systemen, aber auch zwischen Menschen und dem System. Die Geräte liefern Informationen und sorgen für eine bessere Planbarkeit und hohe Geräteverfügbarkeit. Das wiederum garantiert die dauerhafte und zuverlässige Lebensmittelverfügbarkeit.

Welche Rollen spielen Waagen und Wägetechnik im Store der Zukunft und wie können sie dazu beitragen, ein optimales Kundenerlebnis zu gestalten?

Der Store der Zukunft zeichnet sich durch gesteigerte Kundeninteraktion und ein erhöhtes Einkaufserlebnis aus. Um die Kunden in den Store zu locken, müssen sie in den Einkauf involviert werden. Das kann durch Zusatzinformationen wie Rezepte, Kaufempfehlungen, die Möglichkeit zum Feedback, Gewinnspiele direkt am Gerät beziehungsweise einem Kundendisplay der Waage geschehen. Zudem ist für Retailer die Reduzierung von Kosten in Zusammenhang mit dem Einkauf wichtig. Vernetzte und intelligente Systeme sowie Sensorik – beispielsweise in Waagen und Wägetechnik, intelligenten Regalen und Schneidemaschinen – sind daher im Store der Zukunft unabdingbar und unterstützen den Retailer und sein Bedienpersonal.

Sie beobachten den Markt schon lange und sind langjähriger Aussteller auf den Messen EuroShop und EuroCIS. Aus dieser Erfahrung heraus: Welche Entwicklung sehen Sie für den stationären Einzelhandel in den nächsten zehn Jahren voraus?

Es wird in der Zukunft keinen reinen stationären Einzelhandel geben. Jeder Retailer braucht eine Online-Präsenz, um seine Sichtbarkeit und Reichweite auszubauen und Informationen zum Angebot auch digital bereitzustellen. Gleichzeitig hat der reine Onlinehandel seine Grenzen und Limitierungen erreicht. In der Zukunft ist im stationären und Onlinehandel eine Kombination von Einfachheit und Bequemlichkeit sowie permanenter Verfügbarkeit für eine perfekte Customer Experience gefragt.

Ich würde stationär noch weitergehen und konkreter sagen: In den nächsten zehn Jahren wird es in den Geschäften zudem zu einer Zunahme des „Self-Anything“ kommen, bei dem die Konsumenten immer stärker in den Einkauf eingebunden werden. Das bedeutet, stationäre Händler sollten sich auf Self-Scanning, Self-Checkout, SB-Abteilungen, Self-Payment etc. einstellen. Nicht wertbringende Prozesse, die nicht zum Kundenerlebnis beitragen und nicht intuitiv sind, werden eliminiert.

Traditionelle Checkout- und Bezahlprozesse sowie vordefinierte Sortimentszusammensetzungen und Produktverfügbarkeit werden durch intelligente Technologien ersetzt beziehungsweise optimiert. So wird KI eine wichtige Rolle im Bereich Beratungsqualität und -kompetenz sowie Digital Signage spielen. Produkte werden einfach immer häufiger befähigt mit dem Kunden zu interagieren und zu kommunizieren.

Zusammenfassend: Erfolgreich werden die Einzelhändler sein, die ein Einkaufserlebnis im Bereich Frische schaffen, die Digitalisierung sowie die Stärken und die Bedeutung des Onlinehandels nicht ausklammern.

Interview: Julia Pott, exklusiv für EuroShop.mag

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