12. November 2020 | Feature, Interview, Retail Technology, Shopping Today

Moderne Kommissionierung, Einlagerung und Warenausgabe am 24/7-Automaten bei Bünting

von Katja Laska (exklusiv für EuroShop.mag)

Digitalisierung und Automatisierung werden in den kommenden Jahren immer wichtiger werden, um Kundenwert und Profitabilität der Kundenbeziehungen zu steigern“, sagt Christian Bauer, Geschäftsführer der KHT GmbH. Im exklusiven Interview erzählt er, warum das so ist, was das aus Logistiksicht bedeutet und wie das Technologieunternehmen zusammen mit Partnern diesem Trend gerecht werden möchte.

Mann an Wand gelehnt mit verschränkten Armen; copyright: KHT GmbH

©KHT GmbH

Herr Bauer, im Sommer eröffnete der erste 24/7 Ausgabeautomat bei Bünting. Welche Leitidee stand dahinter?
Dieses Szenario beruht auf einem erkennbaren Wandel der Kaufgewohnheiten. Selbst für alltägliche Food-Kundenbedürfnisse gewinnen einzigartige Angebote, Einkaufserlebnisse und Service an Relevanz. Die Idee war, in einem urbanen Umfeld – in City-Lage – einen Pilotauftrag gemeinsam mit unseren Partnern Wanzl und Bünting zu planen und den ersten „echten“ 24/7 Ausgabeautomaten im Lebensmitteleinzelhandel zu platzieren.

Wie war KHT an der Umsetzung beteiligt? 
Das bei Bünting eingesetzte System wurde von drei Parteien gemeinsam getragen. Bünting als Handelspartner und Pilotanwender, Wanzl als Experte für den Markt und KHT als Entwickler und innovativer Technologiepartner und jahrelange Erfahrung in der Automatisierung.

Welche Technologien stecken im und hinter dem Ausgabeautomaten?
Der Ausgabeautomat ist in der Länge und Höhe skalierbar. Je nach Branche, Produkt und strategischer Ausrichtung des Category Managements können mehrere tausend Artikel in einem Store gelagert werden. Derzeit verfügt der Automat über einen teilautomatisierten Einlagerungsprozess, das heißt Mitarbeiter legen den Artikel auf ein Förderband und der Automat lagert das Produkt selbständig ein. Dabei werden über ein Interface, das permanent mit dem Kundensystem verbunden ist, Stammdaten und wichtige Produkteigenschaften ausgetauscht. Diese können Informationen zum Kühlungsbedarf und Jugendschutz sein. Die Artikel werden chaotisch per Picksystem mit einem oder zwei Greifarmen im Automaten eingelagert. Folglich können Schnelldreher neben Langsamdrehern lagern.

Was passiert, wenn Artikel nicht mehr verfügbar sind?
Durch eine permanente, automatische Inventur, Überwachung und Tracking der Mindesthaltbarkeitsdaten werden die Bestände im System geführt. Diese Bestands- und Bewegungsdaten werden an das Kundensystem weitergegeben, um ein Nachfüllen durch das Personal anzustoßen und in den geregelten Nachbestückungsprozess einzufließen. Soll unsere Lösung völlig autonom sein, ist unsere Software in der Lage diese Daten dem Shop zur Verfügung zu stellen.

Frau steht vor Touchscreen und wählt Lebensmittel aus; copyright:Wanzl GmbH & Co.KGaA.

© Wanzl GmbH & Co.KGaA.

Das macht die Arbeit für das Personal natürlich einfacher. Wie gestaltet sich das Einkaufen für den Kunden?
Auf einem Touch-Bildschirm wählt der Kunde den gewünschten Artikel in der benötigten Anzahl aus und legt ihn in den virtuellen Einkaufskorb. Altersabhängige Produkte wie Alkohol und Zigaretten unterliegen zusätzlich einer Altersprüfung, die beim Bezahlvorgang über den Personalausweis erfolgt. Ab Februar 2021 können wir dies mit einer eigens dafür entwickelten App in der Mobilität noch weiter unterstützen. Mittels der App gehen wir einen klaren Schritt in Richtung Click & Collect und vereinfachen den Prozess für den Endkunden nochmals wesentlich.

Online wie offline: Welche Rolle spielen Lagerautomation und Fulfillment sowie die damit verbundenen Technologien heutzutage? 
Automation bietet Lösungen für die hohen und steigenden Anforderungen der Konsumenten von morgen. Im Handel geht es zukünftig darum, Kunden rund um die Uhr eine schnelle, unterhaltsame, lohnenswerte, personalisierte und sichere Customer Experience zu bieten. Offline, im stationären Handel, unterstützt Automation bei der Vernetzung von Online- und stationären Handel. Begleitend werden Kosten bei Personal und Lagerfläche eingespart. Platz und Lagerdichte sind entscheidend, um Sortimente auf kleinerer Fläche kundenorientiert präsentieren zu können und durch digitale Touchpoints im Shop völlig neue Einkaufserlebnisse zu schaffen. Selbst Online-Riesen wie Amazon drängen in den stationären Handel. In der Knapp Gruppe sind wir in der Lage den gesamten Waren- & Informationsfluss mit den passenden Technologien zu begleiten und Werte für unsere Kunden zu generieren.

Frau steht vor Laufband und wartet auf ihre Ware; copyright: © Wanzl GmbH & Co.KGaA.

© Wanzl GmbH & Co.KGaA.

Ist Lagerung, Kommissionierung und das gesamte Fulfillment in Zukunft überhaupt ohne technischen Einsatz denkbar?
Meiner Meinung nach ist es nur für bestimmte Produktgruppen vorstellbar, zukünftig ohne Automatisierung auszukommen. Folgt man den Ausführungen von namhaften Organisationen, haben wir in den letzten drei bis vier Monaten zehn Jahre im Bereich der Digitalisierung in Richtung Konsument und Geschäftsprozesse gut gemacht. Daher sind automatisierte und digitalisierte Prozesse auch aus dem Point of Sale nicht mehr wegzudenken. Automatisierte Systeme steigern die Effizienz aller Prozesse im Handel bei rasch wechselnden Sortimenten mit hoher Artikelzahl.

Welche Punkte sind für Sie entscheidend?
Entscheidend ist die Transparenz des Lagerbestandes, die Fehlerreduzierung sowie die Sicherheit- und Qualitätssicherung bei der Kommissionierung. Das optimale Konzept ist das, welches einen hohen Durchsatz, Genauigkeit und maximale Flexibilität für den Händler bietet. Neue Shop-Konzepte werden durch digitale In-Store-Systeme auf den Ladenflächen möglich. Auf diese Weise ist der Handel in der Lage Convenience und Erlebnis für die Kunden zu erhöhen und On- und Offline-Welten zu verbinden.

Wo sehen Sie noch Verbesserungsbedarf in der Branche?
Die Pandemie in 2020 hat die Zahl der Online-Einkäufe erneut in die Höhe steigen lassen. Immer mehr Menschen bestellen Waren im Internet. Click & Collect-Angebote sind bequem. Die Möglichkeit Automaten für eine 24/7-Verfügbarkeit im stationären Handel zu nutzen, bringt zusätzlichen Kundennutzen und einen Anstieg des Umsatzes mit geringem Kostenauftrieb. Wichtig ist, dass dem Kunden die Wahl überlassen wird, welchen Servicegrad er wählt.

Automatisierung und Digitalisierung verändern Prozesse und unterstützen das Category Management. Hier sind auf beiden Seiten sicher noch Learnings notwendig. Wichtig ist auch, dass wir den Faktor Mensch in dieser Betrachtung nicht vergessen. Durch die Veränderung der Prozesse entstehen andere Anforderungen an die Mitarbeiter. Hier sind Training und Schulung wesentliche Faktoren, die auf keinen Fall vergessen werden dürfen.

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