6. Dezember 2021 | Chapter India, Interview, Shop Fitting, Store Design & Visual Merchandising

Einblicke in die indische Einzelhandelswelt

von Kyra Molinari (exklusiv für EuroShop.mag)

Einzigartige Ladendesigns laden zu einer Reise durch den Store ein. Bei schnell wechselnden Vorlieben der Kundschaft dürfen Designer dabei die Markenbildung und das Branding nicht aus den Augen verlieren. Satvinder Singh, Managing Director bei Satin Neo Dimensions sprach mit uns darüber, wie sich die Arbeit als Designspezialist in Indien verändert hat und welche Rolle Technologie und Nachhaltigkeit dabei spielen.

Welche Designtrends siehst Du derzeit im Einzelhandel?

Satvinder Singh: Die phygitale (physisch+digital; Anm. d. Red.) Integration in Einzelhandelsgeschäften ist keine Zukunftsperspektive mehr, sondern ein aufkeimender Trend, der von verschiedenen Marken, wie beispielsweise Adidas, Nike, Levis umgesetzt wird. Durch den multimedialen Weg sind die Marken in der Lage, die Kundschaft über einen längeren Zeitraum in ihren Geschäften zu halten, da das Erlebnis durch digitale Interaktionen intensiver und informativer wird.

Wie unterscheidet sich der indische Markt von anderen Märkten?

Satvinder Singh

Satvinder Singh © Satin Neo Dimensions

Die Größe des indischen Verbrauchermarktes in Bezug auf seine geografische Ausdehnung, seine politische Zusammensetzung und sein Konsumverhalten macht ihn wirklich einzigartig. Die ausgeprägten Unterschiede sind zwischen den Städten der Stufen Tier eins, zwei und drei innerhalb Indiens (Kategorisierung in wachstumsstarke Gegenden; Anm. d. Red.) sichtbar, sodass alle Marken, die in Indien Fuß fassen wollen, nicht nur eine andere Strategie für das Land als Ganzes, sondern auch für die verschiedenen Verbrauchersegmente, die sie ansprechen wollen, verfolgen müssen. Neben der Anpassung ihrer Produkte oder Botschaften mit lokalem Bezug empfiehlt sich eine andere Markenstrategie und ein Kommunikationsstandard, damit eine Marke in einem vielfältigen Land wie Indien wirklich erfolgreich ist.

Wie hat sich Deine Arbeit als Designspezialist in den letzten Jahren verändert – auch durch äußere Umstände und die Digitalisierung?

Der unerschütterliche Fokus und das Vertrauen in den schnell wachsenden indischen Markt haben uns bei Satin dazu veranlasst, konsequent am Aufbau einer großen und effizienten Produktionsstätte zu arbeiten, die das riesige geopolitische Gebiet Indiens abdecken kann. Wir begannen unsere Reise mit einer Vision und dem Ziel, Qualitätsprodukte für die gesamte Industrie herzustellen. Während unseres Wachstums war die Bedeutung von Design und Technologie von größter Bedeutung, was dazu kürzlich dazu führte, strategische Investitionen in Design- und Einzelhandels-Start-ups zu tätigen. Wir wachsen als Organisation ständig weiter, so dass Satin als Mehrmarken-Unternehmensgruppe in den Bereichen Herstellung, Design, Technologie und Finanzen alles aus einer Hand anbieten kann.

Wie wichtig ist das Thema Nachhaltigkeit im Bereich des Ladendesigns und welchen Einfluss hat es?

Die Welt und jede Branche werden sich der Bedeutung der Nachhaltigkeit bewusst. In seinem Anfangsstadium hat nachhaltiges Design im Einzelhandelsdesign enorme Kostenfolgen, da die zu verwendenden Rohstoffe oder möglichen Ausführungsprozessen noch viel mehr untersucht werden müssen. Die Auseinandersetzung damit hat begonnen, und wir erwarten, dass sich das Thema zu einer größeren Bewegung auswächst, auch wenn es lange dauern wird, bis die großen internationalen Marken einen Präzedenzfall schaffen. Adidas hat mit seinem neuen Geschäft, das nach dem LEED-Standard zertifiziert ist, bereits die Initiative ergriffen.

Wann sollten Einzelhändler über ein neues Design nachdenken?

Die rasante Geschwindigkeit, mit der sich die Vorlieben und Geschmäcker der Verbraucher und Verbraucherinnen ändern, weil sie ständig damit konfrontiert werden, setzt die Einzelhändler unter einen gewissen Druck. Aufgrund der Dynamik müssen Marken ihre Geschäfte immer wieder neu erfinden und den physischen Raum – ihre Einzelhandelsgeschäfte – nutzen, um ihre Geschichten auf neue Weise zu erzählen. Die ideale Zeitspanne für die Erneuerung der Geschäftsräume liegt mittlerweile bei drei bis vier Jahren.

Wenn ein Geschäft neu ausgestattet wird: Wie wichtig sind Branding und Wiedererkennungswert – auch für die Kundschaft? Oder sollte man sich immer wieder neu erfinden?

Bei der Umgestaltung eines Ladens geht es vor allem darum, ein frischeres, moderneres Erscheinungsbild zu schaffen, ohne dabei Kompromisse bei der Markenbildung einzugehen. Das Branding bildet die Grundlage für die Geschichte, trägt zum Wiedererkennungswert bei und sorgt für die meisten Gespräche – all dies wird durch das Produktangebot, die angebotenen Dienstleistungen, die verwendete Designsprache und die gewählte Ladeneinrichtung unterstützt. In diesem sich ständig verändernden, schnelllebigen Konsumumfeld ist das Branding von größter Bedeutung und muss bei jeder Neukonzeption eines Einzelhandelsgeschäfts einer Marke ordentlich und geschickt eingebunden werden. Mit dieser ausgewogenen Strategie bleiben die Geschäfte der Konkurrenz immer einen Schritt voraus.

Vor kurzem seid Ihr als Presenting Sponsor der In-store Asia beigetreten. Was macht diese Messe für Euch so besonders?

Wir arbeiten seit Jahren erfolgreich mit der In-store Asia zusammen und wissen, dass sie eine der anerkanntesten Plattformen für den Einzelhandel auf dem indischen Subkontinent ist. Unsere diesjährige Partnerschaft als Presenting Sponsor bietet Satin die perfekte Gelegenheit, mehr Wissen, Einblicke und Erfahrungen zu sammeln, während wir unseren Wachstumskurs sowohl auf dem heimischen als auch auf dem globalen Markt verfolgen.

Tags: Branding, Digitalisierung, Markenwahrnehmung, Nachhaltigkeit, Storedesign, Technologie, in-store asia
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