19. April 2022 | Feature, Interview, Leading Voices, Shop Fitting, Store Design & Visual Merchandising, Shopping Today

Nachhaltige Materialen gewinnen im Store Design an Bedeutung

Von Katja Laska (exklusiv für EuroShop.mag)

Nachhaltigkeit – Ein Trend der kam, gesehen wurde und siegen könnte. Laut Swantje Donath, Shop Consultant bei umdasch The Store Makers, ist umweltfreundliches Handeln und Ausstatten im Ladenbau längst ein Muss. Doch was versteht man eigentlich darunter?

Lächelnde Frau mit langen, braunen Haaren - Swantje Donath

Swantje Donath ©PicturePeople

Frau Donath, was versteht man unter „nachhaltigen Materialien“ überhaupt?

Unter dem Thema „nachhaltige Materialien“ spielen zahlreiche Aspekte eine Rolle. Dabei geht es immer um einen bewussten Umgang mit der Umwelt, der Natur und den Menschen. Angefangen bei ressourcenschonenden Rohstoffen, die zum Beispiel nachwachsend oder recycelt sein können, über einen energiesparenden und umweltfreundlichen Herstellungsprozess bis hin zum möglichst langlebigen Einsatz des Materials ist vieles zu beachten. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, wie „gesund“ das Material im Sinne von Emissionsfreiheit ist. Und auch, was nach der Nutzungsdauer mit den Materialien passiert, gehört im Sinne des Lebenszyklus Modells dazu. Hier sind Recycling und Upcycling die Stichwörter. Zusammengefasst sollte der ökologische Fußabdruck eines nachhaltigen Materials sowie seiner Nutzung so klein wie möglich gehalten werden.

Welche Trends sehen Sie?

„Natur pur“ – ein anhaltender Trend: Materialien wie naturbelassene, heimische Hölzer (Fichte und Zirbe) schaffen eine duftende, warme Atmosphäre. Aber auch Kork und Filz sind immer noch ein spannendes Thema, weil sie in unterschiedlichsten „Gewändern“ daherkommen – bunt, stylisch oder schlicht und natürlich.

Regionale Materialien sind ebenso beliebt und gleichzeitig gut kombinierbar mit Storytelling und Erlebniswelten. Gute Beispiele sind: Terrazzo mit Zuschlägen aus der Umgebung, Wandgestaltung mit traditionellen Holzschindeln, Akustikelemente aus heimischer Schafwolle.

Hinsichtlich Materialität und Design lässt sich sagen, dass ständig völlig neuartige Materialien erforscht und entwickelt werden: Seegrasplatten, marmorartige Platten aus Fischschuppen, Lederalternativen aus Holzfurnier oder Pilzmyzel, Fliesen aus Algen oder Akustikmaterialien aus Altpapier – der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Kombiniert wird die neue, oft natürlich wirkende Optik des Materials mit klaren Designlinien: eine Mischung aus Wohlfühl-Atmosphäre und Reduktion auf das Wesentliche.

Upcycling ist weiterhin im Trend. Dabei bieten sich Möglichkeiten neuer, spannender Oberflächen mit besonderer Ästhetik.

Auch Customizing kann als Trend genannt werden: Dabei werden im Produktionsverfahren in ein Material z.B. Reste aus der Produktion eines Kunden mit eingearbeitet (pre-consumer-recycling), wodurch es einen unverwechselbaren, individuellen Look bekommt. Beispiel: Holzplatten mit einer Oberfläche aus Jeansstoffresten, Platten aus hochverdichteten Alttextilien mit einer Deckschicht aus dem Produktionsverschnitt des Kunden.

Mit dieser Art der Material-Nutzung gehen aber auch besondere Anforderungen einher, oder?

Das ist richtig. Es gilt gewisse Punkte zu berücksichtigen. Eventuell müssen erhöhter Brandschutz (B3-A1), Emissionsfreiheit oder eine besondere Beanspruchbarkeit beachtet werden. Ebenso muss man auf den optimalen Einsatz der verwendeten Materialien achten: Ein falsch eingesetztes Material ist eventuell nicht langlebig und verbraucht dann zusätzliche Ressourcen. Auch die Optik und Funktionalität kann darunter leiden. In Bezug auf Kosten und Lieferzeiten lässt sich sagen, dass diese nicht unbedingt denen von üblichen Standardprodukten entsprechen und in den Zeit- und Kostenplan integriert werden müssen.

 

 Tipps von Ihnen als Expertin: Wie können sich Händlerinnen im Ladenbau nachhaltig aufstellen?

Ein erster Schritt kann ein Refurbishment des bestehenden Ladenbaus sein. Anstatt bei einem Umbau das gesamte Inventar zu entsorgen, können Bestandsmöbel bearbeitet und wiederverwendet werden – eine Option, die nicht nur nachhaltig, sondern auch kostengünstig ist. Deshalb haben wir beispielsweise das Refurbishment-Konzept „refresh your shelf“ ins Leben gerufen, welches als nachhaltige Lösung für Handelsketten punktet: Hierbei werden ausgediente Warenträger abmontiert, gereinigt, eventuell neubeschichtet und wieder aufgebaut. Eine Frischzellenkur fürs Inventar und günstiger als das Investment in neue Warenträger.

Ein Einstieg in den nachhaltigen Ladenbau kann auch das Überdenken und Neugestalten einzelner Bereiche sein: ein nachhaltiger und emissionsfreier Fußboden, Verbesserung der Akustik durch nachhaltige Akustikelemente, Ergänzung des Ladenbaus mit nachhaltigen Ladenbauelementen im Mittelraum oder mit überarbeiteten Wandelementen – die Palette der Möglichkeiten ist vielfältig.

Nachhaltiger Ladenbau kann sich durchaus lohnen: Die Erstinvestition in eine hochwertige und flexible Ladeeinrichtung ist zwar unter Umständen höher, jedoch kann man langfristig Kosten einsparen. Günstige Alternativen haben oft negative Seiten wie hohe Mindeststückzahlen, lange Lieferzeiten, Lieferunsicherheiten, mögliche Qualitätsprobleme, fehlender Kundenservice, fehlende Standards und Gewährleistung.

Auf Wunsch unterstützen wir den Kunden oder die Kundin auch bei der Erlangung der erforderlichen Nachhaltigkeitszertifizierungen, gegebenenfalls mit Partnern, um Einzelhändler bei der Verringerung ihres CO2-Fußabdrucks zu unterstützen.

Tags: Bodenbelag, Fußboden, Ladenbau, Materialien, Nachhaltigkeit, Shopdesign, Storedesign
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