22. Juni 2022 | Feature, Retail Technology, ReTell, Visions of Retail

Was tut sich aktuell bei den Lieferungen aus der Luft?

Von Katja Laska (exklusiv für EuroCIS.mag)

Auf der letzten Meile aus der Luft liefern – die Vorstellung wird schon lange diskutiert und vieles wurde bereits probiert. Jetzt scheinen einige Ideen Wirklichkeit zu werden. Zwei Markt-Riesen liefern sich dabei ein Rennen.

Aller Anfang ist schwer?

Bereits vor fast einem Jahrzehnt kündigte Amazon an, dass Bestellungen bald per Drohne zur Kundschaft kommen. Seitdem blieb die Ankündigung Zukunftsmusik. Jetzt scheint es endlich so weit zu sein und der Marktplatz-Riese lässt Taten folgen. Vor ein paar Tagen hieß es von offizieller Seite: „Das Versprechen der Drohnenlieferung hat sich oft wie Science-Fiction angefühlt. Wir haben fast ein Jahrzehnt daran gearbeitet, es Wirklichkeit werden zu lassen. Amazon-Kunden in Lockeford, Kalifornien, werden zu den ersten gehören, die Drohnenlieferungen von Prime Air in den USA erhalten“. Die Bewohnerinnen und Bewohner können bald eine Bestellung abgeben und erhalten eine voraussichtliche Ankunftszeit mit einem Status-Tracker. Für die Lieferungen fliegt die Drohne – die sechseckige MK27B mit sechs Propellern und Motoren – zum vorgesehenen Lieferort, senkt sich zum Hinterhof des Kunden oder der Kundin und schwebt in sicherer Höhe. Das Paket wird sicher freigeben und der Flieger fliegt wieder davon.

Um das möglich zu machen und ein Netzwerk auszubauen, dass in Zukunft auch größere Gebiete und Gemeinden in kürzester Zeit beliefern kann, haben Teams aus Hunderten von Ingenieuren, Luft- und Raumfahrtexperten und Visionären getüftelt. Das Besondere an den Paketboten: „Wir haben ein ausgeklügeltes und branchenführendes Erkennungs- und Vermeidungssystem entwickelt, sodass Operationen ohne visuelle Beobachter funktionieren. So wird es unserer Drohne ermöglicht, auf größere Entfernungen zu operieren, während sie anderen Flugzeugen, Menschen, Haustieren und Hindernissen sicher und zuverlässig ausweicht“, heißt es von offizieller Seite.

 

So könne ein größerer Lieferradius abgedeckt werden. Bei der Entwicklung kam es dem Expertenteam insbesondere auf zwei Sicherheitsaspekte an: Transport der Waren und Landung auf dem Boden. Hierfür wurden die Flieger mit speziellen Technologien ausgestattet, um so Objekte und Hindernisse in ihrer Umgebung besonders schnell und zuverlässig zu erkennen: Ein Schornstein auf dem Luftweg oder auch bewegende Hindernisse, wie andere Flugzeuge, die mit dem menschlichen Auge möglicherweise nicht zu sehen wären. Ist etwas im Weg, passt die Drohne ihre Flugroute automatisch an. Bei der Auslieferung achtet die Drohne darauf, dass ein kleiner Bereich frei von Menschen, Tieren oder anderen Hindernissen ist. Amazon arbeitet mit der Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA) und den örtlichen Behörden in Lockeford zusammen, um die Genehmigung für diese Lieferungen zu erhalten. Ob das bereits passiert ist, ist nicht ganz klar. Losgehen soll der Testbetrieb noch dieses Jahr.

Aller Anfang war positiv, oder?

Einen Schritt weiter ist die Einzelhandelskette Walmart und will ebenfalls bis Ende des Jahres seinen Lieferbetrieb noch weiter ausbauen: „Heute kündigen wir an, dass wir unser DroneUp-Liefernetzwerk bis Ende des Jahres auf 34 Standorte erweitern werden, was das Potenzial bietet, 4 Millionen US-Haushalte in sechs Bundesstaaten – Arizona, Arkansas, Florida, Texas, Utah und Virginia – zu erreichen. Dies gibt uns die Möglichkeit, in einem Jahr über 1 Million Pakete per Drohne auszuliefern“, schreibt David Guggina, Senior Vice President of Innovation and Automation, Walmart US, im Blog auf der Unternehmens-Website.

Damit ist die amerikanische Einzelhandelskette die erste mit diesem Angebot und fährt einen Etappensieg gegen Amazon ein. Dann können Kunden und Kundinnen zu den üblichen Ladenöffnungszeiten zwischen 8 und 20 Uhr Windeln, Hot-Dog-Brötchen oder andere Haushaltsartikel bestellen, die in nur 30 Minuten später bei ihnen landen sollen. Das Ganze geht bis zu einem Paketgewicht von 4,5 Kilogramm und kostet pro Zustellung 3,99 US-Dollar. Die Belieferung aus den DroneUp-Hubs von Walmart war ursprünglich nur für Notfallprodukte gedacht, erwies sich allerdings als häufig genutzte Einkaufsvariante, sodass nun mehr Stores mit den sogenannten DroneUp-Hubs ausgestattet werden. Ebenso werden gemäß FAA-Richtlinien zertifizierte Piloten vor Ort sein, den Flugbetrieb zu verwalten. Sobald ein Kunde oder eine Kundin eine Bestellung aufgibt, wird der Artikel aus dem Geschäft geliefert, verpackt, in die Drohne geladen und mithilfe eines Kabels, das das Paket sanft absenkt, direkt in den Garten oder die Einfahrt –  geliefert. Aber Walmart-Pakete sind nicht das Einzige, was die Flugobjekte liefern werden. Die Drohneninfrastruktur wird auch den Gemeinden, in denen sie genutzt wird, zur Verfügung gestellt, so können auch lokale Unternehmen profitieren. Zum Beispiel kann eine örtliche Baubehörde mit DroneUp zusammenarbeiten, um den Arbeitsfortschritt vor Ort durch Drohnenaufnahmen aus der Luft zu überwachen.

Aller Anfang klappt auch woanders, nicht wahr?

Aber nicht nur in den USA tut sich etwas in den Lüften. Wing, eine Tochtergesellschaft von Alphabet, dem weltweit erste On-Demand-Drohnen-Lieferservice, der Haushalte und Unternehmen versorgt. Jetzt geht es mit dem Store-to-Door-Modell, dass bereits im australischen Logan City erfolgreich vom Dach des dortigen Grand Plaza gestartet ist, auch in europäische Lüfte. In der finnischen Hauptstadt Helsinki arbeitet Wing in Zukunft mit dem Einzelhändler Columbus zusammen, dabei befindet sich das Wing-Büro im sonst ungenutzten Dachgeschoss des Händlers, die Drohnen starten vom Parkhaus des Columbus Shopping Centers. Nun können noch dichtbesiedeltere Stadtteile wie Vuosaari, Marjaniemi und Puotila ihre Lebensmittel mittwochs bis sonntags per Luftpost bekommen. Aber nicht nur die. Auch Picknicker, können sich ihr Essen fliegen lassen. Der Service gilt nämlich auch für die ersten öffentlichen Picknickplätzen des Unternehmens am Uutela-Kanal und in den Parks Lilla Kallvik und Mustankivenpuisto, wo Kunden und Kundinnen das Angebot samstags und sonntags ausprobieren können, auch wenn sie nicht im Liefergebiet wohnen.

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