3. Januar 2023 | Retail Technology, ReTell, Shopping Today

Grab&Go-Konzepte in Supermarktketten und kleinen Nachbarschaftsläden

von Julia Pott (exklusiv für EuroCIS.mag)

Der autonome Store, der Einkaufen mit einem automatisierten Bezahlvorgang im Hintergrund ermöglicht, stellt einen großen Innovationssprung im Einzelhandel dar. Aber welche Unternehmen werden es sich leisten, fragte man sich zu Beginn der Entwicklung, ein solches Hochtechnologiekonzept umzusetzen? Die Gegenwart zeigt: vielleicht mehr als ursprünglich angenommen …

Grab&Go: unschlagbar bequemes Einkaufserlebnis

Autonome Läden bieten das wohl bequemste, reibungsärmste stationäre Einkaufserlebnis, das es bisher gibt: Nach einem Check-In am Eingang des Geschäfts nimmt man seine Artikel aus den Regalen und spaziert mit ihnen am Ende des Einkaufs einfach wieder hinaus.

Nachdem Amazon die Technologie-Messlatte für autonome Stores mit seinem „Just-Walk-Out“-Konzept hoch gesetzt hatte, sind viele Handelsunternehmen und Technologieanbieter nachgezogen. Im Gegensatz zu einigen anderen gehypten Technologien wurde der Trend der Smart Stores den großen Erwartungen gerecht.

Das Angebot wächst beständig: Auf der ganzen Welt sprießen Test- und Pilot-Märkte aus dem Boden. Wer annimmt, dass dieses hochtechnologisierte Shopkonzept den ganz Großen vorbehalten bleibt, irrt: Auch mittelständische Händler und kleinere Unternehmen etablieren mittlerweile autonome Geschäfte. Selbst in Deutschland, wo Kundinnen und Kunden notorisch vorsichtig sind, was das Ausprobieren neuer Technik angeht, tut sich einiges.

Supermarktketten und Convenience Stores ziehen mit

Ein REWE Pick&Go-Markt; Copyright: REWE Group

© REWE Group

Am 14. Dezember 2022 meldete REWE, dass nach zwei hybriden Testmärkten in Köln und Berlin, in denen sowohl klassische Kassen als auch der autonome Checkout angeboten wurden, nun der erste vollautonome REWE-Markt Pick&Go in München eröffnete. „In den kommenden Wochen werden wir genau analysieren, wie das Angebot, ganz ohne Kassiervorgang einkaufen zu gehen, hier in München angenommen wird“, sagt Peter Maly, Bereichsvorstand REWE Group, zur zweiten Testphase der kassenlosen Einkaufsangebots.

Um reibungslos einkaufen zu können, müssen Kundinnen und Kunden die “Pick&Go”-App von REWE nutzen. Damit melden sie sich an den Eingangsschranken des Geschäfts an, bezahlen können sie via Paypal, Google Pay, Apple Pay oder Kreditkarte. Kameras, künstliche Intelligenz und Gewichtssensoren in den Regalböden erkennen, welche Produkte mitgenommen wurden. Die Computer-Vision-Technologie kommt von Trigo Vision Ltd.

Unter dem Hot Topic Smart Store dreht sich auch auf der EuroShop 2023 wieder alles rund um automatisierte Store-Konzepte. Ein Besuch lohnt sich!

Laut REWE bedeutet das keinesfalls, dass Personal in dem Markt reduziert werde: „Für individuelle Fragen und Beratungen steht den Kundinnen und Kunden wie gewohnt Marktpersonal zur Seite – denn trotz eines autonomen Checkouts arbeiten im ersten autonomen REWE-Pick&Go-Markt genauso viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie in einer herkömmlichen REWE-Filiale.“ Sie würden beispielsweise verstärkt bei der Warenverräumung zum Einsatz kommen.

Ein Zabka Nano Store in einem Decathlon Store; Copyright: Zabka Group

© Żabka Group

Die polnische Żabka Gruppe, Inhaberin der größten Convenience-Markt-Kette in Polen ist da schon einen deutlichen Schritt weiter: Nach eigenen Angaben ist die Kette Żabka Nano mit 25 Minimärkten die umfangreichste Smart-Store-Kette in Europa. Dabei setzt das Unternehmen je nach Standort auf verschiedene Formate wie traditionelle Geschäfte, eigenständige kleine Stores in Container-Format oder Shop-in-Shop-Konzepte. Die Standorte reichen von Innenstädten über Bahnhöfe und U-Bahn-Stationen bis zu Universitäten.

Die Computer-Vision-Technologie stammt von AiFi. Tomasz Blicharski, Geschäftsführer von Żabka Future, betont, dass die autonomen Stores mit jeder Bezahlkarte betreten und benutzt werden können, dass sei weltweit nahezu einmalig. „Wir wollen die Einkaufsgeschwindigkeit neu definieren“, erklärt Tomasz Suchański, CEO der Żabka-Gruppe.

Ein Mann verlässt den unbemannter Store in den Vereinigten Arabische Emirate; Copyright: ADNOC

© ADNOC

In den Vereinigten Arabischen Emiraten wirbt das Unternehmen ADNOC – die Abu Dhabi National Oil Company – mit einem reibungslosen Einkaufserlebnis in ihren ADNOC Oasis Stores. Die Technologie erkenne zusammengehörende Gruppen, wird in einer Pressemitteilung erklärt, so dass beispielsweise Familien mit nur einem gemeinsamen Check-In und virtuellen Warenkorb einkaufen können.

Nach Angaben von ADNOC können Kundinnen und Kunden die Läden mit einer Bankkarte, der Emirates ID oder durch Scannen des QR-Codes betreten. Wer nicht die hauseigene App benutzt, erhält eine elektronische Quittung.

Die neuen Stores würden das Einkaufen revolutionieren, das Erlebnis werde einfacher, schneller und bequemer als je zuvor, erläutert Bader Saeed Al Lamki, CEO von ADNOC Distribution. „Die Verbraucherlandschaft hat sich durch die COVID-19-Pandemie natürlich verändert, und wir sehen, wie wichtig ein zugänglicher Einzelhandel für unsere Kunden ist.“

Der hypermoderne Tante-Emma-Laden um die Ecke

Große Unternehmen und Handelsketten sind nicht die einzigen Akteure, die sich der neuen Technologien bedienen. Zahlreiche Kleinstanbieter testen und betreiben autonome Stores in unterschiedlichen Formaten.

Das deutsche Technologie-Start-up Autonomo eröffnete im August 2022 in Hamburg den HOODY-Markt. Dem Slogan nach ist HOODY „dein lokaler Bio-Markt“ im Hamburger Stadtteil Eppendorf. Das Geschäft wirbt mit seinen Öffnungszeiten, fast rund um die Uhr, lediglich sonntags ist das Einkaufen nur mittags möglich.

Das Konzept setzt stark auf das Lokale, auf den Nachbarschaftsgedanken. „Hoody“ kommt vom englischen „Neighbourhood“, also „Nachbarschaft“. Laut der Webseite von Autonomo lautet die Vision des Start-ups, das Einkaufen in den Nachbarschaften neu zu definieren. Der lokale Handel soll wiederbelebt, die Struktur aus regionalen Produzenten und Lieferanten gestärkt und die Versorgungssicherheit garantiert werden. Das Einkaufen in der Nachbarschaft, egal ob städtisch oder ländlich, soll attraktiv bleiben und Arbeitsplätze sichern. Für jede Nachbarschaft, so Autonomo laut ihrer Webseite, werden passende lokale und Bio-Produkte kuratiert.

Zwei Männer stehen vor einem Hoody-Markt; Copyright: Autonomo

© Autonomo

Screenshot der Norish + Bloom Smart-Shopping-App; Copyright: Norish + Bloom

© Screenshot Website www.nourishandbloommarket.com

Patrick Mueller-Sarmiento, Gründer und Chairman von Autonomo, fasst das Konzept so zusammen: „Wir haben einen Markt geschaffen, der neu und innovativ ist, aber gleichzeitig auf eine besondere Art und Weise vertraut wirkt.“ Mit diesem Konzept will Autonomo in diesem Jahr auch über die Grenzen Deutschlands expandieren, entsprechende Vereinbarungen gebe es schon.

 

Jamie Michael Hemmings und Jilea Hemmings setzen mit ihrem Storekonzept auf gesunde Ernährung verknüpft mit einem hochtechnologisierten Einkaufserlebnis. Ihr Fokus liegt darauf, dass Jede und Jeder einfachen Zugang zu gesunden Lebensmitteln haben sollte. So eröffneten sie während der Pandemie einen autonomen Biomarkt, der selbstbestimmtes Einkaufen rund um die Uhr und sogar die Belieferung durch selbstfahrende Roboter erlaubte: Nourish + Bloom im amerikanischen Bundesstaat Georgia. Der Markt setzt neben einem umfangreichen Sortiment des täglichen Bedarfs auf gastronomische Angebote.

Der Technologiepartner ist UST. Subhodip Bandyopadhyay, General Manager Emerging Technology bei UST, erläutert den einzigartigen Checkout-Prozess: Neben Maschinellem Sehen, um Artikel zu erkennen, werde auch Sprach- und Gestensteuerung eingesetzt, was den Checkout-Prozess um das Dreifache beschleunigen könne.

 

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