17. Dezember 2019 | Interview, Retail Technology, Shopping Today

AR und VR können den Handel online und offline ankurbeln

Neuartige Technologien halten an jeder Ecke des Handels Einzug, ob Self-Checkout, KI oder Robotik. Unter ihnen sind auch Virtual und Augmented Reality (VR und AR). Kelly Goetsch, Chief Product Officer bei commercetools GmbH, erzählt im Interview mit iXtenso welche Möglichkeiten sich online und offline dank dieser Technologien bieten, warum sie für die Kaufentscheidung wichtig sind und welche Rolle sie in der Zukunft spielen könnten.

Mann in hellblauem Hemd und dunklem Jacket lächelt in die Kamera; copyright: commercetools:

©commercetools

Herr Goetsch, welche Trends sehen Sie im Kaufverhalten der Kunden?

Kelly Goetsch: Ganz egal ob beim Kauf von Bekleidung, Luxusartikeln oder Technik – es ist zu beobachten, dass die Grenzen zwischen Online- und Offline-Kauf immer mehr verschwimmen – und dass Kunden diese Entwicklung auch begrüßen.

Virtual und Augmented Reality gewinnen dabei immer mehr an Bedeutung.

AR und VR heben das Einkaufserlebnis des Kunden auf ein völlig neues Level. Mithilfe immersiver Technologien können Einzelhändler jeden Raum individuell gestalten und an die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden anpassen. Jeder Kunde kann somit das Geschäft anhand seiner Vorlieben personalisiert erleben. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Kunde länger im Shop verweilt, etwas kauft und wiederkommt.

Nehmen wir an, ein Einzelhändler überlegt, die Technologien für sich zu nutzen. Wie könnten sie konkret eingesetzt werden?

Es gibt vielfältige Möglichkeiten, AR und VR im Einzelhandel anzuwenden. Jede noch so kleine Ladenfläche kann mit AR und VR in einen Megastore verwandelt werden, die für den Kunden erlebbar wird.

AR-Geräte können dem Kunden relevante Zusatzinformationen liefern, wenn er sich Produkte ansieht. Beispielsweise können dann Kunden- oder Expertenbewertungen erscheinen, weitere Produktinformationen oder Allergikerhinweise. Zudem kann AR persönliche Informationen wie die Schuhgröße miteinbeziehen, um direkt eine Aussage über die Verfügbarkeit des Produktes treffen zu können.

VR kommt beispielsweise bei sogenannten „Virtual Shops“ zum Einsatz. Der Kunde kann mithilfe dieser Technologie jederzeit und überall einen virtuellen Shop besuchen und wird dort von einem projizierten Assistenten in Form einer KI oder eines Menschen betreut. Dieser Assistent gibt dann personalisierte Empfehlungen und präsentiert Produkte in Echtzeit.

Stichwort Kaufentscheidung: Wie wichtig ist ein positives Erlebnis, damit der Kunde etwas kauft?

Hände, die im geschäft ein tablet halten; copyright: PantherMedia / ekkasit919

© PantherMedia / ekkasit919

Zusätzliche Inspiration und Informationen können die Kaufentscheidung positiv beeinflussen. Fälschlicherweise nehmen Einzelhändler oft an, dass Kunden bereits wüssten, was sie kaufen möchten, wenn sie ein Geschäft oder eine Website besuchen. Tatsächlich ist das Erlebnis im Shop oft ausschlaggebend.

Welches Potenzial sehen Sie für AR und VR?

Ein riesiges, das Potenzial ist noch nicht annähernd ausgeschöpft. Investitionen von Tech-Giganten wie Google und Facebook in diese Technologie zeigen, dass AR und VR immer wichtiger werden. Man kann noch gar nicht abschätzen, wohin die Reise wirklich geht – aber die Möglichkeiten sind vielfältig und je früher sich Einzelhändler damit befassen, desto schneller können sie Vorteile daraus ziehen.

Interview: Katja Laska

Erstveröffentlichung auf iXtenso – Magazin für den Einzelhandel

Tags: AR/VR, Augmented Reality, Einkaufserlebnis, Einkaufsverhalten, Onlinehandel, Personalisierung, Virtual Reality, stationärer Einzelhandel

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