21. Juli 2021 | Feature, Retail Technology, Shopping Today

Neben Secondhand-Plattformen wie Momoxfashion, Vinted oder Mädchenflohmarkt nehmen sich auch immer mehr Handelsunternehmen dem Thema Re-Commerce an – in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern, aber vor allem im Austausch mit Endkunden. Wie funktionieren die Modelle und was versprechen sich Retailer davon?

Gerade erst launchte die US-amerikanische Outdoor-Marke The North Face im eigenen Webshop ihre erste Kollektion „reparierter“ Kleidung, „Renewed“. Der kanadische Einzelhändler Lululemon avisiert mit „ Like New“ derzeit ein eigenes Re-Commerce- Modell und auch viele weitere Marken wie Nike und Levi’s setzen bereits auf „Circular Fashion“. Die H&M Group investiert bereits seit 2015 über die Kollaborationsplattform „CO:LAB“ in den Re-Commerce-Anbieter Sellpy, der seit 2020 auch in Deutschland aktiv ist sowie neuestens in Österreich und in den Niederlanden.

Neben diversen Marken haben sich auch die Versandhändler About you und Zalando dem Thema angenommen. Anfang Dezember 2020 launchte der Fashion-Onlineshop About You seine neue Kategorie für Secondhand-Mode „Second Love“. Zunächst arbeitet die Beteiligungsgesellschaft von Otto mit Kooperationspartnern wie den Secondhand-Plattformen Vite EnVogue und Mädchenflohmarkt zusammen, plant aber, künftig auch Endkund:innen in das Geschäft miteinzubeziehen. Zalando konzentriert sich ausschließlich auf das Geschäft mit der Kundschaft, startete 2019 den Vertrieb von Secondhand-Artikeln mit der „Wardrobe“-App, die das Unternehmen zunächst in Deutschland testete, launchte im September 2020 in sechs seiner Märkte die „Pre-owned“-Kategorie im Zalando Fashion Store und rollt diese aktuell in sieben weiteren Märkten aus.

Zweites Leben

Die Hauptmotivationen der Anbieter variieren. „Unsere Vision ist es, vollkommen zirkulär zu werden. Bis 2040 wollen wir entlang unserer Wertschöpfungskette klimapositiv sein. Ressourcen sollen möglichst lang in ihrer ursprünglichsten Form im Kreislauf bleiben, um negative Umweltauswirkungen zu reduzieren“, so ein Sprecher von H&M. Torben Hansen, Lead Operations Recommerce bei Zalando, hingegen sagt: „Pre-owned spielt eine Schlüsselrolle auf unserem Weg, erste Anlaufstelle für Fashion zu werden. Dabei zahlt die Kategorie auch auf unsere Nachhaltigkeitsziele ein.“

Die Nachhaltigkeitsstrategie von Zalando verfolgt zwei Ziele: „Bis 2023 wollen wir das Leben von 50 Millionen Fashion-Items verlängern. Zugleich pilotieren wir eine neue Verpackungsart, da alle unsere Pre-owned-Artikel 100 Prozent plastikfrei in Verpackungen aus recyceltem Material versendet werden“, so Hansen. Zalando startete mit 20.000 Artikeln in der Pre-owned-Kategorie. „Aufgrund der starken Nachfrage bei unseren Kund:innen haben wir die Artikelanzahl auf mittlerweile über 100.000 Artikel vergrößert“, so Hansen.

H&M bietet über Sellpy in Deutschland und Österreich aktuell insgesamt rd. 620.000 Artikel in den Bereichen Mode, Schuhe und Accessoires, arbeitet aber nicht nur mit Konsument:innen, sondern darüber hinaus mit wenigen Markenpartnern zusammen, um sein Sortiment gezielt zu erweitern. „Wir planen, unsere Produktkapazitäten durch ein Lager näher an unseren Märkten auszubauen. Zudem wollen wir weiter expandieren, um mehr Menschen die Möglichkeit zu geben, nachhaltig zu handeln“, so H&M.

„Nach der Expansion liegt unser Fokus erst einmal darauf, die Kategorie in unseren Märkten zu etablieren. Gelingt dies, ist auch nicht ausgeschlossen, dass wir das Geschäft mit Pre-owned-Artikeln auf weitere Märkte ausbreiten“, so Hansen von Zalando.

Quelle: EHI, stores & shops

 

 

 

Tags: Einkaufsverhalten, Modeeinzelhandel, Nachhaltigkeit, Onlinehandel, stationärer Einzelhandel
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