12. Mai 2022 | Feature, Interview, Leading Voices, Materials & Surfaces, Shopping Today

Wie verändert der Nachhaltigkeitstrend die Arbeit von Store Designern?

Von Katja Laska (exklusiv für EuroShop.mag)

Frau mit langen, braunen Haaren und verschränkten Armen - Swantje Donath

Swantje Donath © PicturePeople/Umdasch The Store Makers

Nachhaltigkeit ist ein Muss im Ladenbau – das stellte Swantje Donath, Shop Consultant bei umdasch – The Store Makers, bei unserem Interview vor ein paar Wochen klar.

Doch wir wollten auch wissen, wie diese Trends und Entwicklungen sich auf die Arbeit von Store Designern und den Workflow mit Händlerinnen und Händlern auswirken. Und auch hierauf hatte sie Antworten für uns.

Nachhaltigkeit ist DAS Thema aktuell. Über den Trend im Ladenbau und Store Design haben wir vor ein paar Wochen bereits gesprochen. Ist das Ganze noch Shopper-Wunsch oder ist es auch wirklich in den Köpfen der Händlerinnen und Händler angekommen?

Swantje Donath: Das Thema wird immer wichtiger. Zu Beginn jedes Projektes – ob Pop-up-Store, Erlebniswelt oder großflächiges Rollout – steht die Materialauswahl. Der Trend zeigt – wie gesagt – eindeutig in Richtung Nachhaltigkeit: Material natürlichen Ursprungs, recycelt, lokal hergestellt, biologisch abbaubar, aber auch langlebig. Maßgeschneiderte Lösungen sowie Upcycling- und Recycling-Produkte der eigenen Produktrückläufe liegen bei Händlerinnen und Händlern hoch im Kurs. Das begleitet uns durch den ganzen Design- und Ladenbau-Prozess.

Wie hat sich Ihre Arbeit dadurch verändert?

Im Idealfall wird das Thema Nachhaltigkeit von Anfang an mitgedacht und im Rahmen eines ganzheitlichen Ansatzes berücksichtigt. Dazu gehört:

  • Besondere Anforderungen des Projektes zu erkennen.
  • Früh im Sinne des Eco Designs zu planen.
  • Schon im Rückbau eines Bestandsstores nachhaltig zu denken, auf die Verwendung regionaler und umweltschonend hergestellter Materialien zu achten.
  • Beschaffungswege der Lieferanten sowie den CO2-Ausstoß aller Transporte mitzudenken.
  • Der Einsatz von BIM (Building Information Modeling). Dieser ermöglicht, ähnlich der Kostenschätzung von Gebäuden, eine Abschätzung der Umweltauswirkungen in unterschiedlichen Konkretisierungsstufen.

Decke, Boden, Wände – Mit raumbildenden Materialien geht es im Ladenbau meistens los. Wie äußert sich die Umweltfreundlichkeit hier?

Diese Materialien haben maßgeblichen Einfluss auf die Atmosphäre eines Raumes. Bei den raumbildenden Materialien kann mit wenig Aufwand schon aus einem großen Angebot an Materialien geschöpft werden, die oft auch über entsprechende Zertifikate verfügen.

Emissionsfreie Alternativen und das Fehlen unangenehmer Gerüche können einiges ausmachen: Feuchtigkeitsregulierend wirkende Materialien können ein gutes Raumklima unterstützen und natürliche Oberflächen wie beispielsweise Holz sind nicht nur langlebig und ein nachwachsender Rohstoff, sondern schaffen auch eine organische Wohlfühlatmosphäre und sind ein visuelles Symbol für Nachhaltigkeit.

Wie sieht es beim Thema Möbelkonzept aus?

Hier kommen wir zum Stichwort „Eco Design“. Flexibilität und Modularität sind bei der Konzeptionierung besonders wichtig:

  • Ohne kompletten Umbau sollten durch Erweiterungen oder Ergänzungen Veränderungen erzielt werden können, um die Ware im Store schnell neu und trendorientiert inszenieren zu können.
  • Möbel sollten eine lange Lebensdauer haben und vielseitig verwendet werden können, um zum Beispiel neue Kollektionen oder Produktpaletten optimal präsentieren zu können. Oder auch auf Veränderungen der Storegröße reagieren zu können.
  • Grafiken sollten in unterschiedlichen Formaten schnell und einfach ausgewechselt werden können.
  • Der gesamte Lebenszyklus eines Möbels muss bedacht werden, von der Herstellung über den Transport, die Nutzung bis hin zur Entsorgung oder Wiederverwendung.

Auch beim Möbeldesign können Händlerinnen und Händler mit Nachhaltigkeit punkten: Neue Materialien mit überraschender, nicht gekannter Optik oder Eigenschaften können die Markenidentität ästhetisch unterstützen, „customized“ Materialien betonen zum Beispiel das individuelle Marken-Corporate Identity.

Bei umdasch – The Store Makers denken Sie das Thema auch bei der Produktentwicklung mit, richtig?

Wir engagieren uns im Bereich nachhaltige Produktentwicklung und Ökobilanzen für Möbel und bieten eigene nachhaltige Produkte im Sinne des „cradle-to-cradle“-Gedankens – also der Kreislaufwirtschaft – an. Hier ist vor allem der „Liquid Dispenser“ und das „Green Shelf“ zu nennen.

Auch digitale Konzepte können eine Rolle im nachhaltigen Ladenbau spielen – bei uns sind Digitalisierung und Nachhaltigkeit eng verzahnt, Beispiele sind „Electronic Shelf Labeling“ (ESL), das durch Preisanpassungen in Echtzeit die Lebensmittelverschwendung reduzieren kann sowie energiesparende digitale Flächen wie Screens und Digital Signage.

Tags: Bodenbelag, Fußboden, Ladenbau, Materialien, Möbel, Nachhaltigkeit, Shopdesign, Storedesign, Storekonzept
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