25. November 2021 | Feature, Retail Technology, What´s new in Retail

Automatisierung im RFID-gestützten Bestandsmanagement

von Julia Pott (exklusiv für EuroShop.mag)

Komplette Inventuren sind sehr zeit- und personalaufwändig für Einzelhändler und -händlerinnen. Daher finden „manuelle“ Inventuren oft nur in großen Abständen zueinander statt, zudem sind sie anfällig für Fehler. Ohne Digitalisierung und Automatisierung ist ein korrekter Echtzeitüberblick über den Bestand unmöglich.

Ein Regal voller Lederslipper in verschiedenen Farben

© Martin Adams/Unsplash

Knappheit oder Überschuss von Waren können die Folge sein und für Stress bei Mitarbeitenden, zusätzliche Kosten für das Unternehmen und Unzufriedenheit bei Kundinnen und Kunden sorgen.

Aktuelle Informationen bringen zukunftssichere Entscheidungen

Durch den Einsatz entsprechender Technologien wird ein kontinuierliches Bestandsmanagement mit akkuraten Daten möglich. Die Daten können digital gesammelt und ausgewertet werden, und das nicht nur einmal im Jahr, sondern praktisch stündlich. Daraus ergibt sich eine grundsätzlich aktuelle Datenlage, auf deren Basis die richtigen Schlüsse gezogen und vorausschauende Geschäftsentscheidungen getroffen werden können.

Je größer das Unternehmen ist und je mehr Kanäle bedient werden müssen, desto schwieriger sind Inventur und Bestandsmanagement. Und desto größer sind die Effekte, die eine Effizienzsteigerung haben kann. Betreibt ein Handelsunternehmen sowohl Filialen als auch einen Onlineshop inklusive Lager und bietet zusätzlich noch Services wie Retouren, Click-und-Collect oder Ship-from-Store an, werden die Warenbewegungen undurchschaubar, wenn sie händisch nachgehalten werden sollen.

Mehrere RFID-Tags übereinander

© PantherMedia/9albln

RFID: automatisiert Daten erfassen

Neben Barcodes, die händisch oder halbautomatisch eingelesen werden können, birgt die RFID-Technologie hier entscheidende Vorteile. Bei einem radio-frequency identification-System kommunizieren RFID-Sender und -Antennen über Radiowellen miteinander. Solche AIDC-Systeme (Automated Identification and Data Capture, zu Deutsch: Automatisierte Identifizierung und Datenerfassung) machen eine automatisierte Datenermittlung möglich. Die RFID-Sender können auf Verpackungen geklebt, aber auch beispielsweise in Kleidungsstücke eingenäht werden.

An gezielten Punkten, die Warenströme passieren, können mit Antennensystemen alle zu verfolgenden Einzelstücke automatisiert wahrnehmen, sofern die Stücke an diesem Punkt schon mit RFID-Tags versehen sind. Beispielsweise können so Wareneingang und -ausgang am Lager sowie Wareneinfuhr in eine Filiale oder in ein Lieferfahrzeug auch in verschlossenen Transportverpackungen oder auf Paletten ausgelesen und geprüft werden. Dazu können zum Beispiel Antennen-, Tunnel- oder Torsysteme zum Einsatz kommen. Aber auch auf der Handelsfläche selbst sorgt RFID-Technologie für Effizienz und Qualität im Bestandsmanagement.

Bestandsmanagement in der Filiale

Ein Inventurroboter fährt durch ein Modegeschäft

© Metralabs

Schon seit 2015 kommt ein solches System der sys-pro GmbH in den Geschäften der Adler Modemärkte AG zum Einsatz. In einer Pressemitteilung von sys-pro wird die Funktionsweise erklärt: „Das RFID-System erfasst jedes einzelne Textil, sobald es in den Bestand von Adler übernommen wird. In der Filiale sorgen die RFID-Etiketten an den Textilien nicht nur für eine verbesserte Warensicherung, sondern vor allem für eine zuverlässige Bestandsinformation.“ Für weitere Geschäftsvorgänge wie das Bestandsmanagement und die Vermeidung von Regallücken gibt das System eigenständig Meldung, damit aus dem Zentral- oder Filiallager nachgeliefert wird.

Einen noch größeren Grad der Automatisierung bieten selbstfahrende Roboter, die in Warenlagern oder stationären Geschäften und Filialen Gänge abfahren und alle RFID-Tags einscannen. Die Roboterreihe TORY von MetraLabs beispielsweise kann eigenständig und vollautomatisch die Bestände erfassen, etwa nachts nach Ladenschluss.

Ein Inventurroboter fährt durch einen Supermarkt

© Simbe Robotics

Auch die Supermarktkette Schnucks setzt seit einigen Jahren auf einen Inventurroboter, nämlich Tally von Simbe Robotics. Tally fährt tagsüber während den Öffnungszeiten mehrmals die Regale ab und kann, sowohl mit RFID-Scannern als auch mit hochauflösenden Kameras und maschinellem Sehen, den Bestand in den Regalen prüfen. Dave Steck, Vizepräsident für IT Infrastructure and Application Development bei Schnucks, erklärt die Vorteile dieses Systems: „Durch den Einsatz von Tally in allen Filialen setzen wir unsere Erkenntnisse in der Lieferkette vollständig um und erweitern unsere Möglichkeiten, Echtzeitdaten zu nutzen, um umsatzwirksame Entscheidungen zu treffen. Tally ist zu einem integralen Bestandteil unserer Filialen geworden, der die Abläufe rationalisiert und letztlich ein besseres Filialerlebnis für unsere Kundinnen und Kunden sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schafft.”

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Datenverwaltung zur Optimierung des Kundenservices

Die beste technologische Ausstattung mit RFID-Tags und selbstfahrenden Inventurrobotern nützt aber wenig, wenn die Daten nicht optimal aufgenommen, analysiert und verwendet werden können. Entscheidend dafür ist die Software, das System im Hintergrund, in dem die Daten verwaltet und Vorgänge gesteuert werden. Die aufgenommenen Daten müssen also vom Inventurroboter oder den RFID-Antennensystemen ins Warenwirtschaftssystem eingespeist werden.

Ein Inventurroboter fährt durch einen Supermarkt vor einem Weinregal

© Metralabs

Somit können Transport- und Verkaufsdaten der Waren analysiert, Auslieferungen und Wareneingänge kontrolliert werden. Zugleich helfen die Informationen aber auch, Optimierungspotenziale zu erkennen. Im Idealfall werden weniger Waren zu viel oder zu wenig bestellt. Und auch unter Nachhaltigkeitsaspekten ist das eine gute Sache: Eine auf die Nachfrage zugeschnittene Warenmenge führt zu weniger Abschreibungen und im Lebensmittelhandel zu weniger Nahrungsmittelverschwendung.

Ein Anpassen der Bestellmengen, automatisierte Nachbestellungen oder Auslieferungen an Filialen, Sortiments- oder Regalplanung – gute Entscheidungen in all diesen und noch vielen weiteren Bereichen werden einfacher, je akkurater die Daten gesammelt und je intelligenter sie ausgewertet werden können.

Schließlich spielen aktuelle Bestandsdaten auch für den Kundenservice eine große Rolle, indem Regallücken vermieden und Zusendungen überprüft werden. Ist die Produktdatenbank entsprechend angeschlossen und ausgestattet, kann beispielsweise Store-Personal bei der Kundenberatung auf der Fläche schnell und zuverlässig per Tablet auf Artikelinformationen zugreifen. All das kommt letztlich der Kundenzufriedenheit zugute.

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Tags: Automatisierung, Bestandsmanagement, Datenanalyse, Datenerfassung, ERP, Internet of Things/IoT, RFID, Robotik
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