12. Januar 2023 | Feature, Galerie, Retail Marketing, Visuals

Die Gestaltung attraktiver Ortszentren ist eine Zukunftsaufgabe für alle

von Julia Pott (exklusiv für EuroShop.mag)

Zunächst hatten Digitalisierung und Onlinehandel den innerstädtischen Einzelhandel stark unter Druck gesetzt. In den letzten Jahren bereiteten Klimawandel, Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine weitere Sorgen. Die Zukunft der Innenstadt und des stationären Handels scheint ungewiss wie nie. Aber es gilt: Aus Herausforderungen kann ein Bedürfnis nach Wandel entstehen, das langfristig neue Chancen eröffnet.

Stadtentwicklung und Citymanagement unter schwierigen Bedingungen

Krisen wie die oben genannten bringen Erschwernisse mit sich, wecken aber auch Bedürfnisse und stärken Wünsche beispielsweise nach lokaler Gemeinschaft und nachhaltiger Stadtentwicklung.

Das zeigt sich beispielsweise in der Umfrage des „cima.monitor – Deutschlandstudie Innenstadt 2022“ von CIMA Beratung + Management. Der Veränderungsdruck auf Stadtgesellschaften nehme zu, stellen die Studienautoren fest. Bei der Frage, wie man eine Innenstadt zu einem „Third Place“ macht – also zu einem gefragten Aufenthaltsort jenseits von Zuhause und Arbeit – zeigt sich, dass die Einkaufsmöglichkeiten zwar immer noch mit Abstand an erster Stelle stehen. Die Wichtigkeit des Handels nahm aber über die letzten Jahre stetig ab. Im Vergleich zu 2015 gewannen hingegen öffentliche Begrünung, Sauberkeit und Aufenthaltsqualität an Bedeutung.

Grafik zu der cima.monitor Deutschlandstudie Innenstadt 2022; Copyright: bcsd e.V.

© bcsd e.V.

Die Ergebnisse einer weiteren Studie „Stadtmarketing im Profil“ der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland e.V. (bcsd e.V.) in Kooperation mit der imakomm AKADEMIE GmbH bestätigen dies: Eine Umfrage unter Beschäftigten in Stadtmarketingorganisationen ergab, dass sie eine hohe Aufenthaltsqualität für mitentscheidend halten (30 %), ob ein Ortszentrum im Jahr 2030 noch belebt und gut frequentiert sein wird. Weitere Faktoren seien eine Nutzungsmischung (19 %) sowie ein starker Einzelhandel (17 %).

Die vielen Aufgaben des modernen Stadtmanagements

Die Top-Themen der Kommunalentwicklung bis 2030; Copyright: bcsd e.V.

Die Top-Themen und Akteurinnen / Akteure der Kommunalentwicklung bis 2030 laut Befragung der Studie „Stadtmarketing im Profil“ des bcsd. // © bcsd e.V.

Die Akteure, die für eine moderne und langfristig gelingende Stadtentwicklung verantwortlich sind, stehen vor vielen großen Aufgaben, die sich auf die Attraktivität von Ortszentren – und damit auf den wirtschaftlichen und sozialen Wohlstand aller Beteiligten – auswirken. Dazu gehören unter anderem

  • nachhaltige Verkehrskonzepte,
  • Klimaschutz,
  • eine grüne und attraktive Gestaltung von städtischen Plätzen und Flächen,
  • die Bekämpfung von Leerstand,
  • eine gelungene und integrative Umsetzung der Digitalisierung,
  • multifunktionale und offen gestaltete Immobilien
  • sowie die Beteiligung der Bürgerschaft und anderer kommerzieller und städtischer Akteure.

Die urbane Lebensqualität ist mit diesen und vielen weiteren Faktoren untrennbar verbunden und wird damit zu einer übergreifenden Zukunftsaufgabe, die weit über reines Stadtmarketing hinausgeht. Die strategische Entwicklung von Ortszentren, so ein Fazit der Stadtmarketing-Studie, kann nur in Kooperation mit vielen Beteiligten und unter Einbindung diverser Interessen gelingen. Dazu gehören Mitglieder aus Politik, Stadtplanung, Wirtschaftsförderung, Citymarketing und Bürgerschaft, aber auch Unternehmer und Immobilieneigentümer.

Lösungen für spannende und zukunftsweisende Stadtkonzepte und die Belebung von Ortszentren finden Sie auf der EuroShop. Im Rahmen des Hot Topics Vitale Innenstädte erhalten Aussteller sowie Expertinnen und Experten eine Bühne. Besuchen Sie uns!

Lösungsansätze: innovative Projekte, die Innenstadt neu denken

In neuen wegweisenden innerstädtischen Architektur- und Immobilienkonzepten wird versucht, viele Aspekte wie Einzelhandel, Gastronomie, Freizeit, Lernen, Nachhaltigkeit, Wohnen und Gemeinschaft zu vereinen. So sollen Ortszentren nachhaltig belebt werden.

Im US-amerikanischen Wirtschaftsmagazin Forbes beschreibt Richard Kestenbaum, Partner beim Finanzberatungsunternehmen Triangle Capital LLC, im Oktober 2021 ein neues Einzelhandelskonzept in Manhattan, New York, das Wohnraum, Gastronomie und Einkaufsläden verbindet. „[Das Projekt Manhattan West] ist ein urbaner Einzelhandel, der versucht, den Handel in den Arbeits- und Lebensalltag einzubinden, ohne ihn auf einer eigenen ‚Einzelhandelsinsel‘ zu isolieren, wie es bei Einkaufszentren seit langem der Fall ist.”

Ende 2022 haben wir im EuroShop.mag ein Projekt vorgestellt, das genau diesen Mischnutzungsansatz verfolgt: das SuperHub in Groningen in den Niederlanden.  Das Gebäude setzt auf Langlebigkeit, indem die Flächen flexibel genutzt werden können, für Einzelhandel, Gastronomie, Kultureinrichtungen und Wohnungen. Das Ziel ist, einen interaktiven sozialen Raum zu schaffen.

Ein weiteres Beispiel für ein Architektur-Projekt, das mehrere Funktionen vereinen soll, ist Starry Street Wuhou in Chengdu, China.

 

Auch bei dem Projekt Haleco in Montréal, Canada, dessen Bau 2022 begann, beruht die Grundidee darauf, Wohnungs-, Büro- und Gewerbeimmobilien zu verbinden. Das Projektdesign wurde bei der „C40’s international Reinventing Cities competition“ ausgezeichnet, einem Wettbewerb für innovative Ideen zur nachhaltigen Stadtentwicklung. Für die Projektplanung verantwortlich sind ACDF Architecture und L’OEUF Architectes.

 

Die ehrgeizigen Ziele des Projekts fasst Hélène Chartier, Direktorin für Stadtplanung und Design bei C40, so zusammen: Haleco soll „einen neuen Lebens- und Begegnungsraum schaffen, der den Montrealern hilft, eine nachhaltigere Lebensweise anzunehmen.“

Zum Projekt Manhattan West in New York gibt Richard Kestenbaum am Ende seines Forbes-Artikels zu bedenken: Niemand wisse, ob ein solches Konzept Erfolg haben werde, denn ein gewisses Risiko liege momentan in der Natur des Einzelhandels. Aber es biete immerhin einen möglichen Weg in die Zukunft für den städtischen Handel, um Verbraucherinnen und Verbraucher in die Stadt zu locken und zum Bleiben und Konsumieren anzuregen. „Die Zukunft ist ungewiss, und das Geschäft ist mit mehr Risiken behaftet als in der Vergangenheit, da die Modelle für den Erfolg noch immer erdacht und geschaffen werden“, fasst Kestenbaum die aktuellen Herausforderungen zusammen.

Das Erdenken und Ausprobieren solcher neuer Erfolgsmodelle bleibt also erstmal eine Aufgabe für uns alle.

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