5. November 2020 | Feature, Food Service Equipment, Shopping Today

Selbstbedienungslösungen mit Theken, Automaten und Robotern im Einzelhandel

von Julia Pott (exklusiv für EuroShop.mag)

Screenshot eines Facebook-Videos, auf dem eine Person sich aus einer Theke Salat schöpft

© Picadeli

Neben Restaurants und Lieferdiensten wollen auch Supermärkte das „To Go“-Potenzial abschöpfen und bieten Fertigmahlzeiten oder Salatbars an. Aber die Konkurrenz ist groß und die verflixte Viruspandemie machte viele Angebote zumindest erst einmal zunichte. Mit welchen Lösungen wollen Lebensmittelhändler hier zukünftig punkten, um weiter im „To Go“-Geschäft mitspielen zu können?

Der Convenience-Markt boomt in den Industrienationen und stationäre Händler sind eine gefragte Anlaufstation. Sie tun gut daran, ein vielfältiges Angebot von direkt verzehrbaren Speisen bereitzustellen. Lionel Souque, Vorstandsvorsitzender der REWE Group erklärte dazu in einer Pressemitteilung: „Die Unterwegsversorgung und der Außerhaus-Verzehr gehören zu den stärksten Trends unserer Branche und werden zukünftig eine noch wichtigere Rolle spielen. Denn nicht nur junge Menschen kaufen und verzehren Mahlzeiten und Snacks immer öfter unterwegs.“

Gleichzeitig sind für Händler Lösungen interessant, die weniger personalintensiv sind, für die sie nicht mehrere Mitarbeiter während der gesamten Öffnungszeit bereitstellen müssen. Viele Supermärkte haben zu diesem Zweck in den letzten Jahren Selbstbedienungstheken mit frischen Lebensmitteln aufgebaut, beispielsweise Salatbars oder heiße Theken. Sich eine fertige Mahlzeit aus Zutaten selbst zusammenstellen und dann direkt mitnehmen oder verzehren zu können, kommt bei Kunden gut an.

Hygiene – bei Lebensmitteln ein Muss

Es gibt aber auch kritische Themen, die damit einhergehen. Eines davon ist – nicht zuletzt in Zeiten der Corona-Pandemie – die Hygiene. In vielen Salatbars oder heißen Theken liegen nun statt frischen Lebensmitteln verpackte Produkte aus. Kunden hantieren eigenständig und unbeaufsichtigt mit offenen Lebensmitteln? In Zeiten von Corona ein No Go. Aber wie können Händler Hygienemaßnahmen einhalten und dennoch ein To Go-Angebot mit frischen Lebensmitteln anbieten?

Ein Mann, der sich an einer Salattheke Salat schöpft

© Picadeli

Die schwedische Marke Picadeli der Greenfood Group ist das Thema mit ihrer Salatbar angegangen. In vielen Rewe-Märkten sind die Salatbars aufgebaut, die von den Mitarbeitern per App verwaltet werden. Mitarbeiter werden ans regelmäßige Reinigen und Nachfüllen erinnert, Auffüllportionen werden vor dem Einfüllen gescannt, so dass die Marktleitung sieht, wieviel verbraucht wird und was nachbestellt werden muss. An Desinfektionsspendern können Konsumenten ihre Hände reinigen, die durchsichtige Glashaube kann gerade so weit geöffnet werden, dass Verbraucher an ihr Essen kommen, die Lebensmittel aber vor Tröpfchenkontamination geschützt sind. Zudem ist das Portionierbesteck so über den Schüsseln befestigt, dass es nur für eine Zutat verwendet werden und nicht mit dem Griff in die Lebensmittel fallen kann.

Eine Person, die sich an einer Salattheke Salat schöpft

© REWE

Mit dem Thema Salat liegen Picadeli und Rewe hier auch voll im Trend: „Mit 83 Millionen Einwohnern ist Deutschland der größte Markt Europas. Sie sind zudem führend, was vegetarische und vegane Ernährung angeht. Die Nachfrage nach gesunden, schmackhaften Fertiggerichten ist enorm.” erklärt Anders Klinge, Geschäftsführer von Picadeli Germany.

Und das zweite große Thema – das Picadeli noch nicht angegangen ist – ist der Verpackungsverbrauch. Das Essen wird meist in Einwegbehälter gefüllt und oft mit Einwegbesteck verzehrt, die anschließend weggeworfen werden müssen. Mehrweglösungen und Upcycling-Produkte aus Abfall sind hier noch die absolute Ausnahme. Das Start-up VYTAL beispielsweise, das dieses Jahr im Rahmen der EuroShop mit dem Wissenschaftspreis ausgezeichnet wurde, möchte dieses Thema mit Mehrwegbehältern angehen. (Hier finden Sie den Bericht im EuroShop.mag dazu.)

Menü à la Roboter

Eine Möglichkeit, um das schwierige Thema Hygiene zu lösen, sind automatisierte Lösungen mit Bedienung auf Knopfdruck, bei der die Maschine die Arbeit verrichtet. In einigen Supermärkten kennt man das schon, zum Beispiel von Brotback- und natürlich von Getränkeautomaten. Kunden wählen ihre Produkte über ein Display und entnehmen dann nur noch die Packung. Hier ist allerdings keine Personalisierung möglich, der Kunde kann nur aus den vorhandenen, festgelegten Produkten auswählen.

Ein Kiosk für Smoothies in einem Supermarkt

© Blendid

Spannend wird das Ganze aber im Bereich Handelsgastronomie, wenn es um vollständige Gerichte oder selbstzusammengestellte Mahlzeiten geht wie eben Salate, Wraps, Sandwiches oder Bowls. Für Smoothies gibt es schon einige Beispiele, der Smoothie-Roboter Blendid ist in einigen Walmart-Filialen im Einsatz.

Und dank neuester Robotertechnik geht auch das in Selbstbedienung, ohne Mitarbeiterkontakt. Bei Sally, dem Salatroboter von Chowbotics suchen sich Kunden am Touchscreen ihre Zutaten aus und der Roboter mixt diese zusammen und gibt die fertige Salatmischung aus. Die Verbraucher haben mit den Lebensmitteln selbst keinen Kontakt mehr, können sich aber dennoch ganz individuell ihre Mahlzeiten zusammenstellen. Natürlich muss noch Personal vor Ort sein, das bei Bedarf die Bedienung erklärt, Probleme behebt und eine Reinigung durchführt, aber es bedarf keiner Vollzeitbedienung durch Mitarbeiter mehr.

Ein weiterer, großer Vorteil bei automatisierten Lösungen: Selbst die Bedienung durch die Kunden kann komplett kontaktfrei gestaltet werden – über Apps und Smartphones. Angereichert mit Rezeptideen, Ernährungstipps oder Händlerangeboten für ergänzende Produkte verbirgt sich hier viel Potenzial, um Kunden zu binden.

Ein Finger, der auf einem Bildschirm Zutaten auswählt

© Miller & Associates (YouTube-Video Screenshot)

Und für Händler und Produzenten fallen noch mehr nützliche Informationen an: Welche Lebensmittel bei welchen Verbrauchern gut ankommen, welche Kombinationen erfolgreich sind, welche Zutaten wann nachbestellt werden müssen. „Der hohe Grad der Digitalisierung erzeugt sowohl bahnbrechende Erkenntnisse über die Verbraucher als auch Möglichkeiten zur Automatisierung,” fasst David von Laskowski, CEO von Greenfood Group and Picadeli, zusammen. Und eben solche Erkenntnisse brauchen Händler, um zukunftsträchtige Lösungen zu finden und anzuwenden, gerade im Convenience- und Lebensmittelbereich.

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